„Die Idee war schon lange in den Köpfen“

Boulespiel am Farrenstall – 1.200 ehrenamtliche Stunden und über 50.000 Euro haben sich gelohnt

Broggingen (heb). Es war einmal ein Farrenstall – heute kann man dort, wo einst die Kühe standen, gemütlich einen Kaffee trinken.

Die Rede ist vom Bouleplatz mit Sommertreff im Bereich der Lerchenberghalle. Ortsvorsteher Ralf Obergföll erklärt dieses Projekt, das im Rahmen des Ideenwettbewerbs der Stadt Herbolzheim mit 10.000 Euro gefördert wurde. Die Idee war schon lange in den Köpfen, seit mehreren Jahren gibt es in keine Gastronomie und somit keine Möglichkeit für die Bevölkerung gesellig einzukehren. Immer Donnerstagvormittag kommt der Verkaufswagen von Onkel Peter und für die ältere Bevölkerung, die dort einkauft, wurde in der Heimatstube in der Ortsverwaltung ein Dorftreff initiiert.

Einen eher in schlechtem Zustand befindlichen Bouleplatz hatte der Ort auch und dieser wurde durch den Ideenwettbewerb der Stadt aktiviert. Acht engagierte Boule-Spieler gingen mit dem Projekt gemeinsam mit Unterstützung des Heimatvereins ins Rennen. Entstehen sollte der Bouleplatz mit Sommertreff. Da kam der Farrenstall ins Spiel, nach dem Zuschlag beim Ideenwettbewerb mit 10.000 Euro Unterstützung wurde ein Bauantrag gestellt, das Gebäude musste umgenutzt werden.

Viele Handwerker an Bord

Laut Obergföll fanden sich 20 bis 30 Helfer ein, darunter aus den Berufen Zimmermann, Maurer, Installateur, Pflasterer, sowie andere und ein jeder brachte sich in seinem Gewerk ein. Viele Handwerker haben des Weiteren unterstützt, schnell wurde klar „die 10.000 Euro reichen uns nicht“, erinnert der Ortsvorsteher. Der Club der 100-er wurde ausgelobt, wer mindestens 100 Euro beisteuert, der wird auf einem Plättchen, das im Farrenstall deutlich sichtbar hängt, verewigt. „Um die 50 haben schon gespendet“, freut sich Obergföll - „weitere Spenden sind nach wie vor willkommen“. Auch Firmen haben gespendet und somit das Projekt unterstützt.

Im Jahre 1900 wurde der Farrenstall gebaut, bis Anfang der 60er-Jahre war er in Betrieb, dann zog die WG ein. Diese fusionierte später mit Bleichheim, die Traubenannahmestelle blieb vorerst. „Jetzt ist das nicht mehr der Fall, die Winzer bringen ihre Trauben zur Annahmestelle nach Wagenstadt“, informiert Obergföll. In den Farrenstall wurde eine Küche eingebaut, eine Behindertentoilette und ein barrierefreier Zugang ergänzen den Bau. Freitags zwischen 14 und 18.30 Uhr gibt es Kaffee und Snacks, die 20 ehrenamtliche Helfer teilen sich diese Nachmittage beim Bewirten. Hier gibt es auch immer Kuchenspenden und alles läuft auf Spendenbasis ab. Boule kann hier auf dem Platz immer gespielt werden, im Bereich gibt es auch sehr ansprechende Sitzmöglichkeiten, vom Ortschaftsrat finanziert. Für den Ortsvorsteher ein besonderer Charme, der Kinderspielplatz liegt gleich vis a vis bei der Lerchenberghalle.

Aufwand hat sich gelohnt

Auf etwa 50.000 Euro beziffert Obergföll – ohne Eigenleistungen – dieses Projekt, bis Ende 2019 wurden insgesamt rund 1.200 ehrenamtliche Stunden eingebracht. Das hat sich allemal gelohnt, denn neben der 16 Quadratmeter großen Küche ist ein ebenso großer Raum zum Verweilen entstanden, der einen ganz besonderes Flair besitzt, was sicherlich an seiner Einrichtung liegen mag. Verschiedenste Tische und Stühle, ein Kronleuchter und Brogginger Ansichten der Künstlerin Nora Schütz, die aus Liebe zu ihrem Ort malt und einen Großteil ihrer Bilder der Ortsverwaltung und dem Boule-Treff geschenkt hat – machen de Charme aus. „Theoretisch könnten wir das Sommertreff auch über den Winter öffnen“, sagt der Ortsvorsteher.

Jetzt wird gerade der Bauantrag vorbereitet, um zu erweitern. Das ehemalige WG-Büro soll mehr Sitzmöglichkeiten, etwa ein halbes Dutzend bringen. Der Heimatverein unterstützt, ebenso sollen Spenden, Kuchenverkäufe und Festivitäten dieses neue Projekt ermöglichen. Es könnte mehr entstehen, auch das Öffnen an zwei Nachmittagen beispielsweise. Das Gelände gehört der Stadt.

Boule-Spiel im Gepäck

Der ursprüngliche Boule-Platz wurde vor etwa zehn Jahren angelegt, „ein paar Leute aus dem Dorf hatten in Frankreich Urlaub gemacht und dort das Spiel erlebt und haben es sozusagen im Gepäck mit nach Broggingen gebracht“.

Neben dem geselligen Spiel möchten die Boule-Freunde auch jüngere Menschen ansprechen, das ist gelungen. Mittlerweile ist der Platz ein Treffpunkt für Mittdreißiger bis hin zum Senior. Geöffnet ist ohne Corona von März bis Oktober immer am Freitag von 14 bis 18.30 Uhr. Boule wird auch unter der Woche gespielt; auch wenn nicht geöffnet ist. Im Winter bietet sich die Heimatstube als passende Alternative für ein gemütliches Beisammensein an. Die Boule-Freunde möchten mit ihrer Idee das soziale Miteinander fördern und das Bild ihres Ortsteils verbessern. In der Heimatstube gibt es jeden Donnerstag von 9 bis 11 den Dorftreff. Von 8.30 bis 11.30 Uhr ist am Donnerstag Onkel Peter mit seinem Marktstand vor Ort. In der Heimatstube ist auch jeden ersten Mittwoch im Monat ab 20 Uhr der Stammtisch des Heimatvereins.