Grab von Kasimierz Dworak wird verlegt

Bereits nach dem Krieg wurde das Grab des polnischen Kriegsgefangenen in Denzlingen gepflegt

Denzlingen (hg). Aufgrund der notwendigen Erweiterung des Schulhofareals der Otto-Raupp-Grundschule an der Hauptstraße muss die einstige Kirchhofmauer zwischen Georgskirche und Schulhof entfernt werden. Daher muss auch das Grab eines einstigen polnischen Kriegsgefangenen verlegt werden, das sich unmittelbar westlich der Mauer unweit vom Kirchturm befindet. Vorgesehen ist eine Grabstätte im Haupteingangsbereich zum Friedhof.

Die Pflege dieses Grabes fand in Denzlingen bereits über viele Jahrzehnte besondere Beachtung. Vor fünf Jahren, im Mai 2016, reisten vier nahe und entfernte Verwandte des im Jahr 1943 in Denzlingen erschossenen polnischen Kriegsgefangenen von Polen nach Denzlingen, wo man an seinem Grab eine kleine Gedenkfeier hielt. Schon allein die Tatsache, dass dieses Grab bereits nach dem Krieg regelmäßig gepflegt wurde, sei besonders erwähnenswert und verdiene überörtliche Beachtung, wie Ortshistoriker Dieter Ohmberger damals betonte. Das Grab trägt die Inschrift „Hier ruht polnischer Soldat Kazimier Dworak - 20.10.1917 – 14.9.1943.“ (Die Grabinschrift ist nicht korrekt geschrieben; sie müsste nach polnischer Schreibweise „Kasimierz“ lauten.)

Wer das Grab angelegt und das Grabkreuz gestiftet hat, sei nicht bekannt. Der Denzlinger Volksschullehrer Paul Frommherz habe eine Schulklasse des Jahrgangs 1937 schon kurz nach dem Krieg zu diesem Grab geführt und die Schüler um dessen Pflege gebeten. Lange Zeit sei es von Franzisek Glodowski, einem ehemaligen polnischen Kriegsgefangenen gepflegt worden, der nach dem Krieg in Denzlingen blieb und hier heiratete. Danach hätten dessen Sohn und Schwiegertochter die Grabpflege übernommen. Immer wieder habe es aber auch unbekannte Denzlinger gegeben, die eine Kerze oder Blumen auf das Grab gestellt hätten.

Im Denzlinger Standesamtsregister von 1943 findet sich ein Eintrag vom 30. Dezember 1943, wonach der polnische Kriegsgefangene „Kazimierz Dworak, technischer Student, römisch katholisch, wohnhaft unbekannt, am 14. September 1943 um 19 Uhr 45 Minuten in Denzlingen im Reichsbahngefangenenlager verstorben“ sei. In der Wehrmacht-Auskunftstelle für Kriegerverluste findet sich ferner folgender Hinweis vom 23. Dezember 1943: „Todesursache: Wegen Meuterei und Widerstand erschossen.“

Gedenkfeier nach über 70 Jahren

Über Jahrzehnte habe sich niemand darum gekümmert, ob es in Polen möglicherweise noch Angehörige des getöteten Kriegsgefangenen gibt. Dort wusste man nicht, dass Kazimierz Dworak in Denzlingen erschossen wurde und dass es hier noch ein Grab von ihm gibt. Bei der Erstellung der Denzlinger Ortschronik wurde nun Dieter Ohmberger wieder auf diese Geschichte aufmerksam. Ferner wurden mit der Gründung der Partnerschaft mit der polnischen Stadt Konstancin-Jeziorna die Bemühungen um diese offene Frage verstärkt.

Vier nahe und auch entfernte Verwandte, darunter der Mann einer betagten Schwester des Getöteten, Jerzy Morawski, kamen 2016 einige Tage nach Denzlingen, um zusammen mit einigen Denzlinger Bürgern des polnischen Komitees das Grab zu besuchen. Die weiteren drei Besucher waren ein Neffe von Kazimierz, Witold Cichy, dessen Mutter Weronika Dworak eine Schwester von Kazimierz war, ferner dessen Frau Grazyna Cichy und deren Sohn Michat. Von ihnen erhielt man nun auch ein Foto von Kazimierz Dworak, sodass „der Name künftig auch ein Gesicht haben wird“, wie man beim Grabbesuch erwähnte.

Besonders berührend beim Besuch des Grabes im Mai 2016 war schließlich der Grabsegen nach 70 Jahren, den Diakon Josef Suscheck in polnischer und deutscher Sprache spendete. Seine Worte und Gebete als Diakon waren sowohl für die polnischen Gäste wie für die anwesenden deutschen Besucher ein sehr nahegehendes Symbol deutsch-polnischer Verständigung, auf die auch Jerzy Morawski hinwies, der als Besucher aus Polen mit sichtlicher Freude die wachsende Freundschaft zwischen den einstigen Feinden wahrnahm und dankend würdigte. In unmittelbarer Nähe des Grabes und des Kirchturmes befindet sich eine kulturhistorische Beschilderung, mit deren Hilfe man mittels eines QR-Code Näheres über das beschriebene Ereignis erfahren kann.