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Weniger Unfälle in der Pandemie

Unfallstatistik des Polizeireviers Breisach für 2021 / Fahren mit Handy ist „Fahren im Blindflug“

Breisach. „Wenn weniger Menschen unterwegs sind, dann passieren auch weniger Unfälle“, sagte Joachim Adler, Leiter Führungsgruppe und stellvertretender Revierleiter in Breisach bei der Vorstellung der Unfallstatistik für 2021, die im Rahmen der Kriminalitätsstatistik des Reviers (wir berichteten) vorgestellt wurde.

Corona habe somit auch seine Auswirkungen auf die Anzahl der Unfälle, so Joachim Adler. „Wer im Homeoffice arbeitet, fährt weniger mit dem Auto und es gibt weniger Unfälle“, so der Leiter der Führungsgruppe. Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden ging von 152 im Jahr 2020 auf 102 im vergangenen Jahr zurück. Erfreulich sei  auch, dass die Anzahl der Schwerverletzten um rund ein Viertel zurückging, auf 35 im vergangenen Jahr – 2020 waren es noch 47. Statistiken hätten aber auch ihre Tücken, warf Revierleiter Christian Schmidt ein. 
„Im vergangenen Jahr hatten wir durch einen Verkehrsunfall einen Toten“, berichtete Adler, prozentual dürfe man dies nicht erheben. Der tödliche Verkehrsunfall ereignete sich 2021 in einer Nebenstraße in Wasenweiler, als ein 72-Jähriger beim Anfahren mit dem Fahrrad stürzte. Zwei Tage nach dem Sturz sei der Mann verstorben. Das Anfahren gehöre zur Teilnahme am Straßenverkehr und alle, die danach innerhalb von 30 Tagen nach einem Unfall an den Folgen sterben würden, kämen in die Statistik für Unfalltote. Bezeichnend sei, dass es ein E-Bike gewesen sei. Die Zahl ihrer Unfallbeteiligungen steige durch den Zuwachs der E-Mobilität bei den Fahrrädern. Nach 13 Unfällen 2020 stieg deren Anzahl auf 15 2021.  Bei den Radfahrern sank die Anzahl im selben Zeitraum von 77 auf 48, bei den Motorradfahrern von 24 auf 15, den Fußgängern von 15 auf sieben und den Kindern von zehn auf sechs. Insgesamt sei die Gesamtanzahl der Unfälle von 323 auf 322 gesunken und damit auf gleichem Niveau geblieben. Die Beteiligung von Senioren und jungen Fahrern sei leicht gestiegen, ebenso jene der Lastwagenfahrer. „Zumeist entstehen die Unfälle beim Abbiegen und Rangieren sowie dann, wenn es um die Vorfahrtsregeln geht“, berichtet Adler. Beim Abbiegen und Rangieren stieg die Anzahl von 63 auf 70 und beim Beachten der Vorfahrt sank die Anzahl von 77 auf 70. 
„Nicht zu akzeptieren ist es, dass nach Unfällen häufiger vom Unfallort geflüchtet wird“, so Adler, immerhin gebe es Versicherungen, wenn es um den Schaden ginge. Nach 186 Verkehrsunfall-Fluchten 2020 wurden im vergangenen Jahr 227 dieser Delikte registriert. Die Anzahl der Unfälle unter Alkoholeinfluss stagnierten zwar, wie auch die Unfälle unter Drogeneinflüssen, doch Alkohol und Drogen kämen im Straßenverkehr immer noch zu häufig vor. Ohne die Beteiligung an Unfällen stieg die Gesamtanzahl von 140 im Jahr 2020 auf 166 im Jahr 2021, wenn nach Alkohol und Drogen kontrolliert wurde. „Im Schnitt stellen wir jeden zweiten Tag eine Fahrt unter Alkohol- oder Drogeneinfluss fest“, so Christian Schmidt. Dabei liege ab 1,1 Promille eine Straftat vor. Die Fahrten unter Drogeneinfluss stiegen von 42 auf 68. „Es geht nur unter vollem Kontrolldruck“, so Adler über diese Uneinsichtigkeit im Straßenverkehr. Gerade jetzt, wo nach zwei Jahren Corona-Pause wieder Feste stattfinden würden, wären Kontrollen angesagt, ebenso bei den Weinfesten.
Schwierig sei die Beweislage bei der Nutzung des Handys beim Autofahren. „Wird dies als Grund für einen tödlichen Unfall angenommen, dann recherchiert die Polizei natürlich“, so Adler, allerdings seien die Verstöße im normalen Straßenverkehr nur schwer zu belegen. Es gebe dafür zivile Kontrollen und die Fahrer würden dann etwas später aus dem Verkehr herausgezogen. Wenn die Fahrer darauf dann direkt angesprochen würden, sei „die Einsicht vorhanden“. Es sei „Fahren im Blindflug“ und daher gefährlich; die Verwarnung koste mittlerweile 100 Euro und in Flensburg werde ein Punkt dafür notiert. Daniel Hengst