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Kann eine „Charrette“ die Interessen vereinen?

Beim Projekt Kaufhaus Krauss will der Gewerbeverein zwischen Unmüssig, Wehrle-Werk, Bürgerforum und Stadt vermitteln

„Projekt Kaufhaus Krauss - wie und vor allem wann geht es weiter?“ lautete der Titel der Veranstaltung, zu die der Gewerbeverein Emmenidngen am Freitagabend in die CineMaja eingeladen hatte. Darin erläuterten Unmüssig, Wehrle-Werk, Bürgerforum und Stadt ihre jeweiligen Vorstellungen, was mit dem Areal passieren soll.

200 Besucher hatten den Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Zuspruch belegte das ungebrochen hohe Interesse der Emmendinger an einer Wiederbelegung des brachliegenden Bereichs. Seit zehn Jahren steht das einstige Kaufhaus leer. „Für die Attraktivität der Innenstadt hat das Projekt nach wie vor eine enorme Bedeutung“, stellte Moderator Karl-Friedrich Jundt-Schöttle klar. Der Gewerbeverein, so der Modehändler, sei für eine baldige Umsetzung. Man verspreche sich neue Impulse für die Innenstadt. Eine Scheu vor einer künftig erhöhten Konkurrenzsituation gebe es bei den Geschäftsleuten nicht. „Wir wollen den Wettbewerb“, so Jundt-Schöttle. Wo also steht das Projekt?

Der Investor
Als Projektentwickler besitzt Unmüssig das Zugriffsrecht auf die von der Sparkasse verwaltete Konkursmasse. Zweieinhalb Jahre läuft dieser Kontrakt noch. Bereits Ende 2017 hatte der Projektentwickler dem Stadtrat den Plan für den groß angelegten „Neuer Markt“ vorgelegt. Wegen der Kritik seitens des Bürgerforums Theodor-Ludwig-Straße sowie der Grünen-Stadtratsfraktion zog der Investor den Entwurf im März dieses Jahres zurück. „Wir wollen nichts machen, das gegen die Bürger ist“, sagte Geschäftsführer Hans-Peter Unmüßig damals.

Zwischenzeitlich arbeitete der Investor an einer neuen Lösung. Diese stellte er am Freitag erstmals der Öffentlichkeit vor. Einige wesentliche Forderungen des Bürgerforums, darunter die Freilegung des Mühlbachs gegenüber der Spielspirale sowie den Erhalt der kleinen Grünfläche im rückwärtigen Bereich, wurden erfüllt. Der Investor setzt nun auf eine durchgehende Rundbebauung. Das ehemalige Kaufhaus soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Als Mieter sind REWE (UG), eine Apotheke, ein Dm, Fielmann und Ossiander (EG) und ein Fitnessstudio (OG) vorgesehen. Im Dachgeschoss sollen elf Wohnungen geschaffen werden. Dort, wo sich aktuell noch die Stadtapotheke befindet, ist weiterhin ein Durchstich geplant. Hier soll das neue „Löwentor“ den Marktplatz mit dem rückwärtigen Bereich verbinden. 

„Wir haben alle ihre Anregungen ernst genommen“, sagte Hans-Peter Unmüßig in seinem Vortrag. Und doch: bei allen Zugeständnissen pocht er auf sein Parkkonzept. So sieht der Entwurf eine neue Parkgarage direkt hinter dem ehemaligen Kaufhaus vor. Auf drei Decks soll Platz für 140 Fahrzeuge geschaffen werden. Geplant ist, dass sowohl die Zufahrt zur Garage als auch der Anlieferverkehr von der Hochburger Straße aus entlang der Halle des Wehrle-Werks bis in den rückwärtigen Bereich erfolgt. Das bisherige Parkhaus „Stadtmitte“ soll abgerissen werden und einem „veritablen Neubau“ mit dem Bio-Markt „Alnatura im Erdgeschoss und Büroräumen in den Obergeschossen weichen. „Ohne dieses Parkkonzept ist eine Realisierung nicht möglich“, so der Firmenchef.

Der Nachbar

Nicht einverstanden damit ist das Wehrle-Werk. In seiner Präsentation zeigte dessen Vorstand Heiner Steinberg, dass die Ampeln für ein Parkhaus direkt hinter dem Kaufhaus auf Rot stehen. Vorstellbar wäre höchstens eine Sanierung des bestehenden Parkhauses oder dessen Neubau. „Wehrle wird nicht den Bau von Stellplätzen durch Grundstückverkaufspreise, die unter dem üblichen Marktniveau liegen, subventionieren“, so Steinberg.
Als Eigentümer einiger Grundstücke im hinteren Teil hatte das Traditionsunternehmen bereits im März angekündigt, einen eigenen „Emmendinger Plan“ für das Areal auszuarbeiten. Begleitet von großem Interesse der Öffentlichkeit stellte Heiner Steinberg im September diesen der Öffentlichkeit vor. „Wir haben sehr viel positive Resonanz darauf bekommen“, blickte der Geschäftsführer am Freitag auf die letzten Wochen zurück. Er habe eine „Aufbruchsstimmung“ verspürt. Dies habe dazu geführt, weiter diesen Weg zu gehen.
Was will das Wehrle-Werk? Das Augenmerk liegt auf einer möglichen Erweiterung der Werkflächen hinter dem Kaufhaus. Das Unternehmen will sich räumlich der Innenstadt gegenüber öffnen. Vorstellen kann sich das Unternehmen beispielsweise ein mit dem Sozialpartner „48 Grad Süd“ betriebenes Inklusionshotel für 30 Personen. Die Anlieferung des Kaufhauses soll über die Hochburger Straße aus erfolgen. Vertiefen will man außerdem die Planung zum Markgrafenparkplatz, dem Logistikzentrum und den Parkplätzen an der Bismarckstraße. Anders als Unmüssig will man auch von der Markgrafenstraße aus einen Durchgang in den rückwärtigen Teil schaffen.

„Wir sind keine Projektentwickler und wollen keine finale Planung vorgeben, sondern einen Rahmen geben“, bekräftigte der Geschäftsführer noch einmal. Das Wehrle Werk befinde sich wieder im Wachstum. Die Grenze von 200 Mitarbeitern habe man vor Kurzem wieder übersprungen. Es gehe es zum einen darum, das „Firmenareal für die Zukunft logistisch vernünftig zu ordnen“. Zum anderen fühle man sich „verantwortlich für die Gestaltung der Fläche“.

Das Bürgerforum
Einen „Emmendinger Konsens“ will das Bürgerforum Theodor-Ludwig-Straße. Andreas Hupert, der am Freitag den Forumssprecher Erhard Schulz vertrat, blieb bei der Forderung, das Parkhaus lediglich zu sanieren. Eine Zufahrt für den Anlieferverkehr in den rückwärtigen Bereich hält er auch von der Fußgängerzone aus realisierbar. Ein Parkhaus direkt hinter dem Kaufhaus-Gebäude hingegen würde die Situation nur noch verschärfen. „Jedes Auto muss ja rein und dann wieder raus“, so Hupert. Stattdessen wünsche er sich eine Grünzone für den hinteren Bereich. Die 1.800 Quadratmeter große unversiegelte Fläche wolle das Bürgerforum erhalten, zum einen um die Aufenthaltsqualität zu verbessern, zum anderen um auch einen Ort zu schaffen, an dem die Innenstadt atmen kann.

Der Oberbürgermeister
„Das Problem ist nun, dass wir zwei Eigentümer haben, die sich gegenseitig blockieren können“, brachte OB Stefan Schlatterer den Stand der Dinge auf den Punkt. Man könne den Beteiligten einige Rahmenbedingungen wie die neun Punkte (siehe Artikel auf Seite 4) an die Hand geben, letztlich seien sowohl dem Stadtrat als auch Verwaltung die Hände gebunden. Es gehe nun zum einen darum, zu „schauen, wie man beide Vorstellungen zusammenbringen kann“. Zum anderen müsse man aber auch die Denkrichtung ändern. Es gehe nicht um das Parkhaus, sondern darum, dass das Kaufhaus kommt. „In Emmendingen gibt es sehr viele Menschen, die sich wünschen, dass sich hier endlich eine Lösung auftut“, so der Rathauschef.

Der Gewerbeverein
Rund zweieinhalb Stunden dauerten die Vorträge. Die meisten der Gäste blieben auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung. Eifrig wurde im Foyer der CineMaja weiterdiskutiert. Aufgrund der verfahrenen Situation wagte der Gewerbeverein einen interessanten Vorstoß. Mit einer „Charrette“ will man zwischen Unmüssig, Wehrle-Werk, Bürgerforum und Stadt vermitteln. Was bedeutet dies? Im Rahmen moderierter Workshops soll eine Lösung erarbeitet werden, die für alle passt. Die Leitung will der Ingenieur Dr. Laszlo Greiner, selbst Mitglied des Gewerbevereins, übernehmen. Er hat sich auch bereiterklärt, die Räume zur Verfügung stellen. Bereits am Freitag hatte Greiner Unmüssig, drei der vier Beteiligten zum Mitmachen bewegen können.