Beitrag Detail

Neue Revieraufteilung im Landkreis

Waldbesitzer wurden über Änderungen der Forstzuständigkeiten informiert

Elzach (ght). Das Landratsamt Emmendingen und die Waldgenossenschaft Schwarzwald-Breisgau hatten am vergangenen Mittwochabend die Waldbesitzer des Kreises Emmendingen in das „Haus des Gastes“ nach Elzach zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Hintergrund zu der Veranstaltung waren, beziehungsweise sind die Änderungen in der bisherigen Organisationsstruktur der Forstämter sowie der Waldbesitzerbetreuung ab dem 1. Januar des kommenden Jahres. Ursache der Änderung ist das Kartellverfahren wegen der Holzvermarktung gegen das Land Baden-Württemberg.   

Landrat Hanno Hurth begrüßte in der prall gefüllten Halle zahlreiche Gäste, darunter auch den Aufsichtsratsvorsitzenden der Waldgenossenschaft, Michael Goby, sowie zahlreiche Bürgermeister und Ortsvorsteher aus dem Kreis. Hurth machte noch einmal deutlich, worum es in der Sache geht. Nämlich um das Kartellverfahren, das einige Sägereibetriebe gegen das Land Baden-Württemberg angestrebt hatten. Insbesondere ging es gegen die gemeinsame Holzvermarktung aus Privat-, Kommunal- und Staatswald. Das Resultat: Die Betreuung des eigenen Staatswaldes wurde aus dem Aufgabenbereich der Unteren Forstbehörde herausgenommen und soll in eine Anstalt des öffentlichen Rechts überführt werden. Hurth machte deutlich, diese Entwicklung außerordentlich zu bedauern, „denn das Einheitsforstamt, das es in Baden seit mehr als 175 Jahren gibt, hat sich über Jahrzehnte bewährt.“ Und weiter: „Nun gilt es, die Auswirkungen auf den Wald im Landkreis Emmendingen möglichst gering zu halten und die Reform bestmöglich umzusetzen.“ Dabei ist oberstes Ziel und Maßstab im Landkreis, für Privatwaldbesitzer und Kommunen weiterhin ein guter Dienstleiter zu bleiben und die Synergien zwischen Kommunalwald und Privatwald zu erhalten. So konnten die südbadischen Landkreise zusammen mit den Verbänden unter anderem die fallweise Betreuung von geplanten 5 Hektar auf 30 beziehungsweise befristet auf 50 Hektar anheben. Letztendlich dankte Hurth den Waldbesitzern für ihr Engagement und die Pflege des Waldes, der 46 Prozent im Landkreis ausmacht und von dem wiederum 50 Prozent privaten Waldbesitzern gehört.

Werben für den heimischen Wald

Elzachs Bürgermeister und stellvertretender Vorsitzender der Waldgenossenschaft, Roland Tibi, begrüßte ebenfalls die Anwesenden und freute sich, die seit Juli dieses Jahres im Amt befindliche Leitende Forstdirektorin des Regierungspräsidiums Freiburg, Dr. Anja Peck, willkommen zu heißen. Sie machte deutlich, dass man nun von Freiburg aus landesweit den Forst betreuen werde. Neben der Naturparkförderung werden zukünftig auch sämtliche weitere Förderungen von Freiburg aus geregelt. Sie bat um Geduld, da zahlreichen gesetzlichen Regelungen zu genügen ist. „Ich bin aber zuversichtlich, da Forstamt und Genossenschaften gut aufgestellt sind – die Forstdirektion wird sie nach Kräften unterstützen!“ Betreffs der aktuellen Waldsituation, insbesondere auch wegen des Klimawandels und des Borkenkäferbefalls sei ein Notfallplan in Bearbeitung, aus dem unter Einbindung der Verbände dann ein Masterplan erstellt werden soll. Eine Umstellung der Wälder, so prophezeite Peck, ist eine Aufgabe für Enkel und Urenkel! „Auch, wenn viele meinen, der Wald regelt alles von selbst, sind dies doch mehr emotionelle Einstellungen von Menschen, die im Grunde weit weg vom Wald sind“, machte Peck deutlich. Daher muss man für den heimischen Wald und seine Pflege werben, da sich Emotionen meist nicht an der Realität orientieren.

Wenige Änderungen für die Waldbesitzer

Der Dezernatsleiter Ländlicher Raum und Leiter des Forstamtes sowie des Forstbezirks Emmendingen, Dr. Martin Schreiner, informierte in seinem detaillierten Vortrag über die Neuorganisation des Kreisforstamtes. Zukünftig wird es 11 Reviere im Landkreis geben, fünf Reviere als kommunale Eigenbetriebe sowie drei Reviere für den Staatswald. Weiterhin gilt die Nähe zu den Waldbesitzern und so sind die professionellen Ansprechpartner in Waldangelegenheiten weiterhin im Forstamt in Waldkirch-Kollnau zu finden. Der Leiter des Forstbezirks Waldkirch, Dr. Frieder Hepperle, machte zudem deutlich, dass das umfassende Angebot von Beratung und Förderung weiterhin kostenfrei ist und von neutralen Förstern ausgeübt wird. Es stehen zukünftig dem Waldbesitzer 8 Revierleiter für die Beratung und Betreuung sowie Förderung und Holzvermarktung zur Seite. Dabei machte Hepperle deutlich, dass bis zu 99,9 Prozent der Waldbesitzer staatliche Fördergelder erhalten können! Um die Betreuungskosten bei eingeschlagenem Holz zu senken, sollten die Waldbesitzer gute Vorarbeit leisten, wie zum Beispiel durch eine Qualitätssortierung. „Sie haben es zum größten Teil selbst in der Hand!“, so Hepperle. In diesem Zusammenhang verwies er auch auf den „Holzernterahmenvertrag“, der mit Kostentransparenz, garantierten Dienstleistungen auch in Krisenzeiten, einem Fördersatz von 40 Prozent sowie einem schlanken Abrechnungsverfahren punktet. Indes erfolgt der Holzverkauf weiterhin über die Waldgenossenschaft und das Forstamt. So bestätigte dann auch die Vorsitzende der Waldgenossenschaft, Hannelore Reinbold-Mench, das sich für die Waldbesitzer im Zusammenhang mit der Genossenschaft nichts ändere und das Dienstleistungsangebot und der Holzverkauf wie bisher bleiben. Allerdings wird das Tagesgeschäft für die Genossenschaft selbst noch komplexer, die Kosten dadurch aber nicht steigen werden. Ferner sollte unter anderem die Zusammenarbeit mit den Forstbetriebsgemeinschaften gestärkt werden,

Mangelnder Waldwegebau in der Kritik

In der abschließenden Fragerunde der Waldbesitzer kam unter anderem die Frage auf, ob es eine Anfahrtspauschale bei den Förstern geben werde. „Sollte keine Beratung stattfinden, von Ihnen niemand anzutreffen sein, nur dann wird dies berechnet“, so Hepperle. Eine andere Frage bezog sich auf den Einsatz von Pestiziden im Kampf gegen den Borkenkäfer. Dr. Martin Schreiner verwies auf die 60ziger und 70ziger Jahre, als diese Methode angewandt wurde und hinterfragte kritisch: „Haben diese Einsätze geholfen?“ Ein weiterer Waldbesitzer lobte Forst- und Genossenschaftsvertreter für ihr Engagement, mahnte aber den Waldwegebau an. „Wären die Wege früher gebaut worden, wären die Kosten entsprechend geringer ausgefallen!“ stellte er verärgert und gefrustet gegenüber den politischen und verwaltenden Anwesenden fest. Abschließend widmeten sich die Waldbesitzer persönlichen Gesprächen und dem von den Landfrauen angebotenen schmackhaften Dingen.