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„Wir müssen unbedingt helfen“

Spendenaktion der Sterne Kosovas für die Erdbebenopfer in Albanien

Das Erdbeben in Albanien am frühen Dienstagmorgen ging durch die Medien. Wie mit so vielen Katastrophen haben die Meisten die kurzen Bildsequenzen bald wieder vergessen. Schlaflose Nächte hatte hingegen Tahir Shabani aus Emmendingen. Zu nah sind ihm die Schicksale der betroffenen Menschen. Deshalb hat der erste Vorsitzende der Sterne Kosovas zusammen mit Caritas International eine Spendenaktion ins Leben gerufen.

„Eigentlich machen wir sowas ja nicht, denn die Sterne Kosovas sind ein Kulturverein“, so Shabani im Gespräch. „Aber die Geschichten, die mich auf verschiedenen Wegen erreicht haben, haben mir den Schlaf geraubt. Ich musste irgendetwas tun.“ Das Erdbeben, das den Westen des kleinen Balkanstaats erschüttert hat, war bereits das dritte dieses Jahr – und das verheerendste. Mindestens 46 Tote und über 650 Verletzte sind laut dem albanischen Verteidigungsministerium zu beklagen. Und es hört nicht auf. Über 500 Nachbeben wurden bis Donnerstag gezählt. Die Menschen schnappen immer wieder ihre Kinder und laufen in Panik auf die Straße. Viele trauen sich aus Angst vor der Einsturzgefahr erst gar nicht zurück in ihre Häuser. Seit Freitag sind auch deutsche Hilfskräfte vor Ort. In den Trümmern wird weiter nach Überlebenden gesucht – auch wenn die Hoffnung, welche zu finden, nur noch verschwindend gering ist.

Tahir Shabani, seine Familie und Bekannten verfolgen angespannt die Situation. Dann kommt die Nachricht: Zwei der Toten kennt er persönlich. „Es sind Brüder, die sich wie wir hier in Deutschland ihren Lebensmittelpunkt geschaffen haben. Sie waren zu Besuch in der Heimat und wurden im Hotel im Schlaf überrascht. Sie und ihre Familie vor Ort, alle sind tot. Der eine hinterlässt zwei, der andere vier Kinder“, berichtet Shabani und ringt hörbar mit der Fassung. „Wir sind immer noch geschockt. Wir sind ja auch ab und an zu Besuch in der Heimat – es hätte uns genauso treffen können.“

Nicht nur die Sterne Kosovas nehmen viel Anteil an der Situation. „Immer wieder wurde ich in den letzten Tagen auch von deutschen Bekannten angesprochen“, so Shabani. Es freue ihn sehr, dass seine neue Heimat so anteilnehmend sei. Viele Bekannte wollten helfen. So entstand die Idee zu einer Spendenaktion. Shabani selbst ist mit der Caritas sehr verbunden, engagiert sich seit über 20 Jahren ehrenamtlich. „Deshalb war das natürlich mein erster Gedanke“, erklärt er. Zudem sei Caritas International schon länger im Wiederaufbau in Albanien tätig, die entsprechende Infrastruktur und Personal, um direkte Hilfe zu leisten, sind bereits vor Ort, und es wurde auch direkt Nothilfe geleistet.

„Wir haben bei der Caritas angefragt. Diese hat für uns ganz unkompliziert und unbürokratisch ein eigenes Spendenkonto eingerichtet“, so Shabani. Das gesammelte Geld wird von der Caritas vor Ort zunächst für Nahrungsmittel, Trinkwasser, Decken und Kleidung eingesetzt. Neben Nothilfen und der Überlebenssicherung hat auch die psychosoziale Betreuung hohe Priorität, damit die Menschen wieder neuen Mut und Lebenskraft schöpfen. Damit das Leben danach weitergehen kann, will die Caritas im Anschluss an die Nothilfe den Wiederaufbau von Wohnhäusern und sozialen Einrichtungen wie Schulen oder Gesundheitsstationen fördern. Dabei geht es auch darum, die Menschen vor künftigen Naturkatastrophen besser zu schützen, beispielsweise durch angepasste Bauweise, Frühwarnsysteme und Katastrophenschutz.

„Unser Bekanntenkreis ist sehr aktiv, viele haben schon gespendet. Wir würden uns freuen, wenn noch mehr die Menschen in unserer Heimat unterstützen würden. Jeder kleine Betrag hilft“, so Shabani. Spenden kann man auf das Konto bei der Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, IBAN: DE88 6602 0500 0202 0202 02, BIC: BFSWDE33KRL unter dem Stichwort „CY00005 Albanien“.