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„Sabine“ fegte mit 177 km/h durch Südbaden

Im ET-Gebiet erreichten die Windböen am frühen Montagmorgen ihre höchsten Geschwindigkeiten

Kreis Emmendingen. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 177 km/h fegte das Sturmtief Sabine in den letzten Tagen über Südbaden. Auch das ET-Gebiet war davon betroffen. Vor allem am frühen Montagmorgen kam es zu starken Orkanböen. Dabei stürzten zahlreiche Bäume um. In einem Fall deckte Sabine das Dach eines Logistikunternehmens ab. Verletzte gab es zum Glück keine.

Neben dem Rücktritt von Annegret Kramp-Karrenbauer war das Sturmtief „Sabine“ in den letzten Tagen das Thema Nummer eins. In Deutschland hatte der Wetterdienst bereits am Sonntag die zweithöchste Stufe der Unwetterwarnung ausgerufen. Die Behörden informierten die Bevölkerung über alle Kanäle, die Feuerwehren veröffentlichten Verhaltensregeln. Noch am selben Tag wurden zahlreiche Veranstaltungen „abgeblasen“ – so beispielsweise das Bundesligaspiel zwischen Gladbach und Köln.

Auch die Bahn reagierte auf die Warnungen. Am Sonntag stoppte sie den kompletten Fernverkehr. Wegen umgestürzter Bäume, die auf den Gleisen landeten, fielen auch in den darauffolgenden Tagen immer wieder Züge aus. An den Flughäfen verzichtete man aus Sicherheitsgründen außerdem auf Hunderte von Starts und Landungen. Etliche Schulen ließen außerdem den Unterricht ausfallen. Auch manche Kindergärten blieben geschlossen. In Baden-Württemberg ließ es das Kultusministerium den Eltern offen, ob sie ihre Kinder in die Einrichtungen schicken. Auf den Schulwegen sollte jegliches Risiko vermieden werden.

In Deutschland wanderte das Sturmtief von Nord nach Süd. An der Küste kam es bereits am Sonntagmittag zu Sturmfluten. In Südbaden ging es erst am Sonntagabend so richtig los. Ihren Höhepunkt erreichte der Sturm dann am frühen Montagvormittag. Vor allem auf den Höhen ging die Post ab. Um 7 Uhr wurden auf dem Feldberg Windgeschwindigkeiten von 177 km/h gemessen. Erst gegen 9 Uhr wurde es ruhiger. Am Montag blieb es ebenfalls verhältnismäßig mild. Erst in der Nacht auf Dienstag kam es zu weiteren Böen.

Situation im Landkreis Wie überall waren auch im Landkreis die Feuerwehren in ständiger Bereitschaft. An beiden Tagen fuhren sie 43 Einsätze. Beteiligt waren insgesamt 350 Kameraden. Zu tun hatten sie es vor allem mit Straßensperrungen aufgrund von Baumstürzen. Noch bis Redaktionsschluss war die Straße, die hinauf zum Kandel führt, gesperrt. An vier Häusern lösten sich durch den Sturm die Dachabdeckungen. „Insgesamt war Sabine ein stärkerer Wintersturm wie er alle zwei bis drei Jahre auftreten kann – er war nicht zu vergleichen mit dem Orkan Lothar von 1999“, fasste Kreisbrandmeister Christian Leiberich zusammen.

Schäden verursachten die Sturmböen vor allem in den Wäldern. Dr. Martin Schreiner, Leiter des Forstamtes im Landratsamt, sprach von etwa 10.000 Kubikmetern Holz, die im Landkreis Emmendingen umgelegt wurden. Meist seien einzelne Bäume oder Baumgruppen umgefallen, kleinere Flächenwürfe habe man im Simonswälder Tal registriert. Die umgefallenen Bäume werde man in den kommenden Wochen „aufarbeiten“. Dies müsse recht schnell geschehen, da den Borkenkäfern sonst Nahrung gegeben werde. Schreiner empfiehlt, den Wald in der laufenden Woche zu meiden. Dasselbe gelte für Radfahrer, die die Waldwege auf dem Weg von und zur Arbeit nehmen.

Einsätze im ET-Gebiet Im ET-Gebiet waren die Feuerwehren ebenfalls unterwegs. In der Nacht von Sonntag auf Montag kam es zu einem Einsatz auf der A5. Auf Höhe Malterdingen war um kurz nach 1 Uhr ein Baum auf die Fahrbahn gestürzt. Die Emmendinger Kernstadtwehr nahm sich der Sache an. Unter der Leitung von Kommandant Ralf Kesselring sausten 16 Kameraden mit zwei Fahrzeugen zum Einsatzort und entfernten das Gehölz. Rund 31 Minuten waren die Mannen im Einsatz. Um kurz vor zwei Uhr traten sie den Heimweg an.

Wegen „Sabine“ war die Abteilung Emmendingen am Montag noch weitere Male im Einsatz. Am späten Vormittag rückten 21 Kameraden in den Oberlinweg und räumten dort einen umgestürzten Baum aus dem Weg. Am späten Nachmittag entfernten zwei Feuerwehrmänner in der Roethestraße einen umgestürzten Bauzaun. Abends stürzte auf der A5 erneut ein Baum auf die Fahrbahn. 25 Kameraden der Emmendinger Abteilungswehr rückten mit vier Fahrzeugen aus. Nach 38 Minuten war der Einsatz beendet.

In der Gemeinde Teningen wurde die Abteilungswehr des Kernorts am frühen Montagmorgen ins Gewerbegebiet Rohrlache gerufen. Bei einem Logistikunternehmen in der Gottlieb-Daimler-Straße hatte der Sturm ein Blechdach auf einer Länge von 150 Metern heruntergerissen. Weil unklar war, ob dadurch auch Gefahrgutbehälter beschädigt wurden, rückten die Kameraden mit allen fünf Fahrzeugen aus. Der Verdacht bestätigte sich nicht. Die Gefahrstoffe, die sich in der Halle befanden, wurden gesichert. Kreisbrandmeister Leiberich und die Polizei waren ebenfalls vor Ort. Nach einer halben Stunde war der Einsatz beendet.

Kurz zuvor, also gegen 5.30 Uhr, sorgte Sabine dafür, dass die enge Brücke zwischen Reute und Bottingen mit dem Auto nicht mehr überquert werden konnte. Ein Baum mit einem Kronendurchmesser von etwa einem Meter sowie mehrere Äste versperrten den Weg. Ein PKW, der die Brücke passieren wollte, wurde dadurch beschädigt. Die Person blieb unverletzt. Sowohl die Polizei als auch ein elfköpfiger Trupp der Freiwilligen Feuerwehr Reute rückte an. Die Kameraden beseitigten das Gehölz, entfernten Schnittgut neben der Straße und entfernten auf der Straße in Richtung Bottingen noch einen weiteren Baum. Der Einsatz dauerte etwa anderthalb Stunden.

Im Einsatz war auch die Freiwillige Feuerwehr Freiamt. Am Montagmorgen um 5.30 Uhr wurden die Mannen zur L110 gerufen. Angeblich war ein Auto zwischen umgestürzten Bäumen eingeschlossen. Beim Eintreffen der Feuerwehrleute war das Fahrzeug jedoch schon weg. Die Kameraden räumten dennoch die Straße. Verletzte gab es im ET-Gebiet nicht. Generell kam Deutschland noch relativ glimpflich davon. Die Tagesschau sprach von „einigen Verletzten“. In Thüringen wurde ein Mann schwer verletzt, als er vom Dach seines Hauses geweht wurde, weil er es vor dem Sturm sichern wollte. In NRW gab es sechs Schwer- und sechs Leichtverletzte. Im Saarland schwebt eine Frau in Lebensgefahr, weil ein Baum auf sie stürzte.

Tote gab es jedoch im Ausland. Dort hieß das Sturmtief „Ciara“. In der Schweiz kam ein Mann durch den starken Wind bei einem Verkehrsunfall ums Leben. In England starb ein Mann, dessen Auto von einem umstürzenden Baum getroffen wurde. In Polen wurden eine Frau und ihre Tochter von herabfallenden Dachteilen erschlagen. In Schweden ertrank ein Mann, als sein Boot auf einem See kenterte. Daniel Gorzalka