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Tosender Applaus und Tränen der Rührung

Giora Feidman begeisterte das Publikum im Kultur- und Bürgerhaus Denzlingen

Denzlingen (hnc). Mit ganz leisen Tönen begann der Altmeister der Klarinette, Giora Feidmann, das hochkarätige Konzert im Kultur- und Bürgerhaus in Denzlingen. Das hebräische Volkslied „Hava nagila“ wurde so intensiv und einfühlsam intoniert, dass man im voll besetzten Saal wirklich eine Stecknadel hätte fallen hören.

Nahtlos ging die Melodie über in israelische Tanzmusik, das Qintett steigerte sich bis zum fortissimo, um dann wieder leiser zu werden. Klezmer ist die traditionelle Musik osteuropäischer Juden. Giora Feidman ist ein weltbekannter Interpret für die traditionsreiche Musik aus Israel, aber auch weit darüber hinaus. Mit seinen Klarinettentönen verzaubert er das Publikum. „Ich singe durch mein Instrument“, ist sein Statement, das man unterschreiben kann.
Begleitet wird er von der Gruppe Gitanes Blondes, vier Münchner, die er 2010 auf einem Kreuzfahrtschiff kennen gelernt hat. Allerdings sind diese Musiker keineswegs farblose Hintergrundbegleitung, sondern stellen in Soloeinlagen ihr professionelles Können unter Beweis.

Schon nach dem ersten Musikstück erhielten die Musiker donnernden Applaus vom Publikum. Chef auf der Bühne ist unbestreitbar Giora Feidman. Der inzwischen 84-jährige gebürtige Argentinier gibt mit winzigen Gesten die Einsätze, schäkert aber auch mit Augenzwinkern und Kusshändchen mit dem Publikum. Allein seine feine Mimik und Gestik hat schon Unterhaltungswert. Er ist ein Virtuose nicht nur an der Klarinette, sondern auch auf der Bühne. Immer wieder ergreift er zwischendurch das Mikrofon und gibt kurze Statements ab – oft humorvoll, aber auch ernsthaft und nachdenklich. So stellt er z.B. fest: „Ich glaube, Sie haben kein Programm. Das ist gut, da können wir spielen, was wir wollen!“

Aber auch eine klare Positionierung zum Verhältnis zwischen Juden und Palästinensern und ein deutliches Bekenntnis zum Frieden lässt er einfließen. So überrascht es nicht, dass er bereits vor fast 20 Jahren das Bundesverdienstkreuz für sein Engagement für die Versöhnung zwischen Juden und Deutschen erhielt. Mehrfach wird das Publikum aufgefordert, bekannte Stücke mitzusingen.

Musikstücke wechseln nahtlos von jüdischer Tanzmusik zu George Gershwin, dann schimmert ein Stück von Bach durch, auch irischer Folk passt noch dazu. Es ist ein sehr anspruchsvolles Arrangement und ungeheuer originell. Für die Soloeinlage von Konstantin Ischenko auf dem Akkordeon mit einem sehr virtuosen Potpourri klassischer Musik – von denen „Figaros Hochzeit“ wohl den meisten bekannt war – spendete das Publikum geradezu tosenden Applaus. Aber auch die sehr humorvolle Zusammenstellung von Rossini, American Folksongs, Motorengeräusch auf dem Cello und Martinshorn auf der Klarinette zeigte die Kreativität der Musiker. Bei der Zugabe mit dem Kinderlied „Guten Abend, gute Nacht“, bei dem Giora Feidman auch seine schöne Singstimme vernehmen ließ, hatten viele im Saal fast Tränen in den Augen. Es war ein fantastisches Konzert von außergewöhnlichen Künstlern, für das sich die Zuhörer im Saal mit minutenlangem Applaus und Standing Ovations bedankten.