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„Den jungen Talenten brennt es unter den Füßen“

Der SV Kollmarsreute hat ein Konzept erarbeitet, wie im Juniorenbereich derzeit trainiert werden kann

Seit letzter Woche darf auf den Fußballplätzen der Region wieder trainiert werden. Eingehalten werden müssen dabei klare Regeln. Wie ein Jugendtraining aussehen kann, demonstrierten letzte Woche die Juniorenteams der SG Wasser/Kollmarsreute.

Am 11. Mai trat die neue Corona-Verordnung zur Freigabe des Trainingsbetriebs in Kraft. Geknüpft ist sie an klare Regeln. Die wichtigste: es darf ausschließlich im Freien trainiert werden. Auf dem Rasen muss ein Sicherheitsabstand von 1,5 Metern eingehalten werden. Gekickt werden darf mit maximal fünf Spielern auf einer Fläche von 1.000 Quadratmetern. Im Training selbst sind keine Zweikämpfe erlaubt. Eine verantwortliche Person muss auf die Einhaltung der Hygienevorschriften achten.

Doch auch neben dem Platz sind die Vorgaben immens. Umkleiden und Duschen bleiben geschlossen. Toiletten sind zeitlich versetzt zu betreten und zu verlassen. Vor und nach dem Training sollen Hände gewaschen und desinfiziert werden. Benutztes Trainingsgerät muss ebenfalls gereinigt werden. Sofern die Unterstützung bei Fußballaktivitäten notwendig ist, dürfen Eltern am Spielfeldrand anwesend sein. Wer in den letzten 14 Tagen Symptome hatte, soll ganz zuhause bleiben.

Schon vor dem Inkrafttreten der Verordnung machte man sich beim SV Kollmarsreute darüber Gedanken, wie man die Regeln auf den Trainingsbetrieb übertragen kann. Marc Kuben, hauptberuflich Allgemeinmediziner und nebenbei einer der drei Jugendleiter, arbeitete für den Juniorenbereich ein schlüssiges Trainingskonzept aus. Letzte Woche am Donnerstagabend wurde es mit der F-Jugend der SG Wasser/Kollmarsreute erstmals getestet. Weil es funktionierte, folgten nach und nach auch die weiteren Altersklassen.

„Die Organisation beginnt schon vor dem eigentlichen Training“, berichtet Ralf Armbruster von seinen Erfahrungen. Auch er ist einer der drei Jugendleiter. Per WhatsApp werde mit den Eltern zunächst geklärt, welche Kinder verbindlich am Training teilnehmen, gleich danach teile der Trainer die einzelnen Spieler in Fünfergruppen ein. Beim Eintreffen auf dem Platz finde das Kind dann ein in vier gleich große Felder separierten Fußballplatz vor. Dort könne sich der junge Kicker ohne große Umwege direkt einordnen. „Unser Platzwart hat extra Linien gezogen – für die Kinder sind die räumlichen Grenzen klar zu verstehen“, so Armbruster.

Zentral ist die Rolle des Trainers. Jede Fünfergruppe hat einen eigenen Coach. Die Übungen, die er gestaltet, reichen vom Parcours mit und ohne Ball über Passstafetten und Dribblings bis hin zu Torabschlüssen ohne Torhüter. Die Abstände können über das Aufstellen von Hütchen geregelt werden. Jedes Kind bekommt einen eigenen Ball. Auf kleine Spielformen und Kopfbälle wird verzichtet. „Zweikämpfe werden nicht geführt und es wird auch vermieden, dass der Ball in die Hand genommen wird“, so der Coach. In der G- und F-Jugend werde 45 Minuten trainiert, von der E- bis zur C-Jugend seien es 60 Minuten.

Auf den Testlauf mit den F-Jugend am Donnerstag folgten Ende der letzten und Anfang dieser Woche die weiteren Jugendmannschaften. Die Resonanz war in allen Fällen riesig. Für das E-Jugendtraining hatten sich beispielsweise 25 Kinder angemeldet. Die Coaches hatten hierfür fünf Felder auf zwei Plätzen vorbereitet. „Man merkt, dass die Kinder wieder Lust haben, sich zu bewegen und ihre Freunde zu sehen – es brennt ihnen unter den Füßen“, so Armbruster.

Auch die Einhaltung der Regeln funktioniere gut. Den Jugendkickern sei bewusst, dass das Training nur auf diese Weise stattfinden kann. Man achte aufeinander. Einzelne Eltern hätten erstmal zugeschaut, seien danach aber ebenso begeistert gewesen. „Bei Fragen seitens anderer Vereine stehen wir gerne zur Verfügung“, wirbt für Nachahmer.