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Schwierige Zeiten für die Gastronomie

Seit Montag ist das Restaurant Delcanto im Kultur- und Bürgerhaus wieder geöffnet

Denzlingen (hg). Nach einer langen Durststrecke konnte das Restaurant Delcanto im Denzlinger Kultur- und Bürgerhaus (KuB) am Montag dieser Woche wieder seine Pforten öffnen. Dies allerdings mit gravierenden Sicherheitsauflagen zum Schutz der Gäste, wie Pächter und Betriebsführer Thomas Hörnisch bei einem Interview mit Helmut Gall erklärte. Problematisch war und ist die Situation für ihn wie für seine rund 60 Mitarbeiter allemal, wie er nachdrücklich betonte.

Das sonst von Thomas Hörnisch gewohnte freundliche Lächeln hat er zwar trotz der aktuellen massiven Beschränkungen des Geschäftsbetriebes nicht verlernt, aber unverkennbar sind auch die Sorgenfalten angesichts der enormen finanziellen Belastungen bei ausbleibenden oder deutlich verminderten Einnahmen. Denn bereits seit dem 21. März war und ist das KuB für den Normalbetrieb geschlossen.
Wie der Hotel- und Gaststättenverband Baden-Württemberg vor einigen Tagen mitteilte, dürfen Menschen in Baden-Württemberg vom 18. Mai an wieder in den Restaurants essen gehen. Bei der Wiedereröffnung gelten jedoch einige staatliche Auflagen. Zu deren Einhaltung will man seitens des KuB vor allem im Interesse aller Besucher alles Menschenmögliche tun. Allerdings sei man dabei sehr auf die Mitwirkung der Gäste angewiesen.

Naturgemäß leben das Restaurant und auch das gesamte KuB von der Zusammenkunft vieler Menschen, die dort gemeinsam essen gehen, plauschen, Kultur genießen, erfolgreich tagen oder Hochzeiten und Geburtstage feiern, wie Hörnisch sagt. So habe das KuB mit zuletzt rund 600 Veranstaltungen (jährlich) und das Restaurant Delcanto in den 17 Jahren ihres Bestehens für zufriedene Veranstalter und Gäste im Haus gesorgt. Dies werde nach derzeitiger Entwicklung ohne Impfstoff allerdings noch längere Zeit nur sehr eingeschränkt möglich sein, wie Hörnisch mit sorgenvoller Miene betont. „Eingeschränkt“ bedeutet nämlich konkret mit viel weniger Menschen im Raum und deutlich geringeren Einnahmen für den Betrieb.

Wirtschaftliche Vollbremsung

Kulturveranstaltungen mit 800 oder gar 1.000 Besuchern im großen Lothar Fischer Saal des Hauses werde es wohl lange nicht mehr geben, befürchtet Hörnisch befürchtet. Wenn zum Beispiel Stuhlabstände von 1,50 Metern einzuhalten sind, entfallen natürlich die meisten Plätze. Im genannten Fall wären dies, wenn überhaupt, nur 200 Besucher, womit man die allermeisten der bisher im KuB aufgetretenen Stars nicht honorieren könne, wie Hörnisch feststellt. Da die Gemeinde als Eigentümerin der Einrichtung für die Betriebsführung kein Honorar bezahle, könne der Betrieb Delcanto und damit auch die Betriebsführung des Hauses nur überleben, wenn neben den üblichen Kultur- und Vereinsveranstaltungen auch noch zahlreiche geschäftliche und private Veranstaltungen stattfinden.
Verschiedene Veranstaltungen von Firmen oder Institutionen mit deutlich weniger Teilnehmern seien zwar auch weiterhin denkbar und ebenso willkommen. So fand hier zum Beispiel auch die letzte Gemeinderatssitzung statt, damit die Ratsmitglieder die vorgeschrieben Sicherheitsabstände einhalten konnten. Aber langfristig geplante geschäftliche Veranstaltungen wie zum Beispiel Steuerseminare könnten aus thematischen Gründen nicht einfach verschoben werden und seien damit endgültig verloren.

Zusammenwohnen ist maßgeblich

Doch wie sieht es mit den unzähligen privaten Feiern aus, zum Beispiel Hochzeiten und Geburtstage? Miteinander feiern und zugleich Abstand halten, geht das? Hier schreiben die oben genannten Sicherheitsregeln vor, dass das gemeinsame Sitzen mehrerer Gäste an einem Tisch (ohne 1,5 Meter Abstand) nur jenen Gästen gestattet ist, denen der Kontakt untereinander erlaubt ist. Das sind nur die Personen aus dem Kreis der Angehörigen des eigenen, sowie eines weiteren Haushalts. Der Begriff „Familie“ ist dabei gleichbedeutend mit dem Begriff „Haushalt“ zu verstehen. Es kommt hier nicht auf den Verwandtschaftsgrad, sondern auf das Zusammenwohnen an. Die Personenzahl bei Angehörigen eines Haushalts spielt dabei keine Rolle. Dringend vermieden werden sollen Körperkontakte, insbesondere das Händeschütteln und natürlich auch Umarmungen.

In stilvollem Ambiente zu tanzen, gehört seit Jahren ebenso zum festen Terminplan im Kultur und Bürgerhaus. So sei zum Beispiel für Anfang April das internationale Salsafestival anberaumt und zum allgemeinen Bedauern wieder abgesagt worden. Sehr verständlich, denn zu tanzen mit Abstand nimmt dem Paartanz den wesentlichen Reiz. Mit ausreichend Humor könne man vielleicht einen „Maskenball” veranstalten, so Thomas Hörnisch.

Tischreservierung erforderlich

Seit Wochen bietet auch das Restaurant Delcanto wie viele andere Restaurants Speisen und Getränke zum Abholen an, um wenigstens einen kleinen Teil der Kosten zu decken. Hierfür wurde sogar ein „Drive In“ zur bequemeren Abholung eingerichtet. Auf Dauer wäre diese Einnahmequelle allerdings nicht ausreichend, um damit über die Runden zu kommen. Insofern sei man nun wieder zuversichtlicher und hoffe auf möglichst viele Besucher.

Zur Sicherheit der Gäste und des Personals sollte man jedoch die geltenden Vorschriften unbedingt einhalten. Gäste werden gebeten, im Vorfeld einen Tisch zu reservieren, damit der Besuch möglichst koordiniert und reibungslos verläuft. Dabei sind bis auf Weiteres auch Kontaktdaten erforderlich (Name, Datum und Uhrzeit des Besuchs, sowie Kontaktmöglichkeit, z.B. Mail oder Telefon) zur Nachverfolgung möglicher Infektionen. Die Datenlöschung wird garantiert nach vier Wochen erfolgen. Auf einen Restaurantbesuch sollte unbedingt verzichten, wer innerhalb der letzten 14 Tage Kontakt mit einer Person hatte, die mit SARS-CoV-2 infiziert war bzw. ist. Alle Regeln sollen ausschließlich dem Schutz aller Personen gelten, um wieder Freude an menschlichen Begegnungen finden zu können, und dies vor allem ohne Reue danach.