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"Schöne Naturkulisse - tolle Gastgeber"

WZO-Interview mit ZTL-Tourismus-Chefin Ulrike Weiß

Zweitälerland (db). Die Corona-Krise trifft vor allem den Tourismus sehr hart. Die Situation ist teilweise dramatisch. Dazu unterhielt sich WZO-Redakteur Detlef Berger mit ZTL-Tourismus-Chefin Ulrike Weiß.

WZO: Die Corona-Krise trifft vor allem den Tourismus besonders hart. Durch die schrittweise Öffnung der Gaststätten, Pensionen und Hotels keimt wieder etwas Hoffnung auf. Wie siehst Du die Lage der Gastro- und Hotelbranche speziell im ZTL und welche Auswirkung hat die Corona-Krise auf den aktuellen Tourismus im ZTL?

Weiß: Der Tourismus ist durch die Corona-Krise zum Stillstand gekommen. Sämtliche Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe mussten ihre Türen schließen. Normalerweise hätte mit den Osterferien für die rund 260 Betriebe im ZTL die Saison so richtig begonnen. So hatten die Betriebe aber erstmal keine Einnahmen durch die Vermietung von Gäste-Zimmern oder Ferienwohnungen zu touristischen Zwecken, aber Kosten, zum Beispiel für die Rückzahlung von Krediten für den Umbau oder Erweiterung des Hauses. Da lag bei den Betrieben das Bangen um die eigene Existenz nahe.

Wir haben in unserer schönen Ferienregion hervorragende Betriebe, die aber trotz der zerrenden Situation nicht den Kopf in den Sand gesteckt haben. Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass Not auch erfinderisch macht. So haben die meisten Gastronomie-Betriebe einen Abhol- oder Lieferservice angeboten, andere wiederum starteten einen Aufruf zum Kauf von Gutscheinen.

Wir merken bei uns in der Geschäftsstelle in Bleibach, dass die Nachfrage nun mit den weiteren Lockerungen und den kommunizierten Terminen mit den Betriebsöffnungen für die Tourismusbetriebe wieder anzieht. Die Menschen haben Sehnsucht nach Urlaub.

Zwar sind die Anforderungen an die einzelnen Betriebe organisatorisch als auch betriebswirtschaftlich nicht einfach umzusetzen, aber die Betriebe und auch wir schauen nach vorne und freuen uns sehr, endlich wieder Gäste begrüßen zu dürfen.

WZO: Ist in Anbetracht der Krise überhaupt an ein „normales Arbeit“ in der ZTL-Geschäftsstelle in Bahnhof Bleibach zu denken? Wie hat sich Euer Arbeitsalltag durch die Krise verändert?

Weiß: Auch wir mussten unseren Betrieb runterfahren. Gäste waren ja keine da. Im Info-Bereich waren wir, durch die immer wieder verlängerten Betriebsschließungen der Tourismusbetriebe, immer wieder mit Stornierungen oder Umbuchungen beschäftigt. Mitte März wollten wir unsere neue Tourismuskonzeption mit Beteiligung der touristischen Leistungsträger starten. Das mussten wir nun leider erstmal verschieben. Das war wirklich hart, zumal sich eine hohe Beteiligung der Betriebe heraussignalisiert hatte. Wir haben dann in der Geschäftsstelle die Postkarten-Aktion `Träumen erlaubt!´ entwickelt und die Gastgeber ermutigt, so mit ihren Gästen in Kontakt zu bleiben. Mit vorfrankierten Postkarten und zwei emotionalen Motiven konnten sie ihren Gästen, die stornieren mussten, einen kleinen Ostergruß per Post zukommen lassen. Das kam sehr gut an.

Ansonsten haben wir an unserer neuen Wanderkarte weitergearbeitet und sind im Marketing- und Produktmanagement auch schon wieder mit Themen für das nächste Jahr beschäftigt.

WZO: Seit Jahren glänzt das ZTL mit stetig steigenden Übernachtungszahlen. 2019 noch die bundesweite Wahl des Zweitälersteigs zum „Schönsten Wanderweg in Deutschland“. Jetzt der Einbruch durch die Corona-Krise. Welche Chancen birgt diese Krise – Urlaub 2020 in der Heimat?

Weiß: Noch Mitte Januar hätte niemand mit solch einer Situation gerechnet. Damals schien die Welt in Ordnung zu sein. Die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) sprach von 2020 bereits als einem vermutlich guten Reisejahr. Denn ihre Marktanalyse hatte ergeben, dass 72 Prozent der Deutsche in die Ferien fahren wollen. Urlaub hat einen hohen Stellenwert. Doch sehr wahrscheinlich ist, dass das Coronavirus die Reiseströme umlenken wird, je nachdem wie sich das Ganze noch entwickelt und wie lange die allg. Reisewarnungen bestehen bleiben. Die Deutschen werden diesen Sommer ihren Urlaub vermutlich mehr im eigenen Land oder gar der eigenen Region verbringen. Ich denke zwar nicht, dass wir den Verlust vollkommen wettmachen können, denn Urlaub wird ja nicht „Halde produziert“ und Betten können nicht doppelt belegt werden, aber ich denke schon, dass wir in jedem Fall profitieren können. Wir haben tolle Gastgeber und eine atemberaubende Naturkulisse. Das suchen die Leute jetzt und da können wir punkten.