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„Wir sind auf dem Weg in die Normalität“

Gastronomen dürfen seit dieser Woche wieder öffnen – Wie läuft es am Kaiserstuhl?

Seit Montag dürfen die Menschen in Baden-Württemberg wieder in den Restaurants essen gehen. Auch die Gastrobetriebe am Kaiserstuhl freuen sich, nach mehr als zwei Monaten endlich wieder Gäste bei sich begrüßen zu dürfen. Bei der Wiedereröffnung gelten die Auflagen der Corona-Verordnung des Landes - wie läuft es am, Kaiserstuhl? Wir haben bei einigen Gastronomen nachgefragt.

Die Abstands- und Hygieneregeln bringen einige Veränderungen mit sich: So mussten die Gastronomen vor der Wiedereröffnung mit dem Zollstock durch ihre Räumlichkeiten gehen, um etwa dafür zu sorgen, dass die Tische wie verordnet im Abstand von mindestens 1,5 Metern zueinander angeordnet sind. Dadurch fallen für viele Gastronomiebetriebe rund 50 Prozent ihrer Fläche weg. Zudem mussten ausreichende Schutzabstände bei der Nutzung von Verkehrswegen, insbesondere Treppen, Türen, Aufzüge und Sanitärräumen sichergestellt werden. Die Angestellten der Gastronomiebetriebe müssen Atemschutzmasken und Schutzhandschuhe tragen. Gäste sollten im Vorfeld reservieren, wenn sie essen gehen wollen. Auch besteht für sie eine Registrierungspflicht – Name, Telefonnummer, Adresse und Datum sind zur Nachverfolgung möglicher Infektionen anzugeben. Die Kommunikation der Beschäftigten mit den Gästen ist bei der Bedienung auf ein notwendiges Mindestmaß zu beschränken. Bezahlt werden soll möglichst bargeldlos. „Damit diese Regeln gut umgesetzt werden können, sind wir auf die Mitwirkung der Gäste angewiesen“, betont Fritz Engelhardt, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Baden-Württemberg.

Neben der Möglichkeit, wieder zu öffnen, hatten die Gastronomen am Dienstagabend einen weiteren Grund etwas erleichtert zu sein: Die Haushaltskommission des Landes beschloss ein weiteres Corona-Hilfspaket für die Südwest-Wirtschaft. Das Volumen des zweiten Hilfspakets beträgt 1,5 Milliarden Euro. 330 Millionen Euro sollen davon der Gastronomie und Hotellerie zukommen.

Gäste kommen wieder

Die ersten drei Tage im wiedereröffneten „Hotel Gasthof Adler“ in Königschaffhausen liefen gut, berichtet Rüdiger Baptist. „Die Gäste kamen in ordentlicher Zahl und haben sich haben sich gut an die Regeln gehalten.“ Man habe dabei auch deutlich die Eigenverantwortlichkeit der Menschen beim Abstandhalten und den Hygienevorgaben gespürt. „Wir sind auf dem Weg in die Normalität. Ob sich der erste Monat rechnen wird, wissen wir noch nicht, aber die Hauptsache ist, dass wir endlich wieder aufhaben dürfen“, betont Baptist. Er sieht die Corona-Verordnung des Landes für Gaststätten im Vergleich zu anderen Bundesländern als „sehr liberal“ an. Viele der verordneten Hygienemaßnahmen seien bereits seit jeher Standard in seinem Betrieb, „die Atemschutzmasken sind natürlich gewohnheitsbedürftig.“ Im Rückblick auf den Lockdown sagt Baptist, dass es eine harte Zeit gewesen sei, den auch im geschlossenen Betrieb fielen bei ihm Ausgaben von gut 10.000 Euro im Monat an. Insbesondere dank der eigenen Rücklagen sei der „Adler“ soweit durchgekommen, „den geplanten Hotel-Anbau haben wir jetzt aber ad acta gelegt.“ Er sei den Stammkunden für ihre Unterstützung sehr dankbar, die gemeinsame Essen To-Go-Aktion mit dem Gasthaus zum Ochsen und dem Kirschenhof sei sehr gut angenommen worden.

Als Vorsitzender der Gastronomen Vereinigung „Kulinarischer Kaiserstuhl“ betont Baptist, dass in der Region angesichts der Wiedereröffnung der Lokale Zuversicht herrsche. Der Zusammenhalt der Gastronomen sei sehr stark, man habe sich gegenseitig während des Lockdowns unterstützt und Mut gemacht. „Wir als Gastronomen sind es nicht gewohnt, auf staatliche Hilfe angewiesen zu sein, wir sind ja auch durch die Finanzkrise 2008/09 ohne Fremdgelder durchgekommen.“ Man sehe in der Krise auch die Wertschöpfungsketten vor Ort sehr genau, die mit der Gastronomie zusammenhängen. „Landwirte, Winzer, Metzger oder Bäcker haben es auch deutlich gemerkt, als wir schließen mussten.“ Baptist hofft, dass bald die fehlenden Touristen wiederkommen, Hoffnung macht ihm in dieser Beziehung auch das angekündigte Tourismusförderprogramm.

Nächstes Jahr durchstarten?

Christina Köpfer, die mit ihrem Mann Stephan in Bischoffingen den „Steinbuck“ und in Schelingen die „Sonne“ betreibt, rechnet vorerst mit „einem sehr durchwachsenen Geschäft“. Es gebe Stammgäste, die es kaum erwarten können, endlich wieder zu kommen. Aber es werde weiterhin einige vorsichtige Menschen geben, die erst einmal abwarten. Im Innenbereich vom „Steinbuck“ wurden wegen der Abstandsregelung vier Tische entfernt, Hinweisschilder und Desinfektionsstationen installiert. Der Umfang der Speisekarte werde reduziert werden. Anders sieht es in der „Sonne“ aus. Köpfer: „Aufgrund der baulichen Enge vor Ort wissen wir noch nicht wann und wie genau wir dort öffnen werden. Möglicherweise führen wir dort erst einmal den Außer-Haus-Verkauf weiter.“ Es gelte jetzt, dieses Jahr zu überstehen, um dann 2021 „wieder voll durchstarten zu können.“ Köpfer rechnet dann fest mit einem „Run“, denn viele Veranstaltungen wie Hochzeiten wurden um ein Jahr verschoben. Klar sei aber auch, dass es 2021 nicht mehr Wochenenden als in jedem anderen Jahr gebe. „Daher kann der diesjährige Ausfall auch nicht einfach aufgefangen werden.“

Einige Tische reserviert haben Gäste auch im „Gasthaus zur Limburg“ in Sasbach. Eigentümer Bernhard Schweizer bedauert, dass er aufgrund der Corona-Verordnung nur 30 Prozent seines Außenbereichs mit Terrasse und Biergarten nutzen kann. Im Lokal hat Schweizer den À-la-carte-Bereich durch die Öffnung des Saals erweitert, damit er die gleiche Anzahl von Gästen wie vorher unterbringen kann. „Allerdings können wir so im Saal keine Festlichkeiten mehr ausrichten, was normalerweise ein großes Standbein unseres Betriebes ist.“ Viele Hinweisschilder sind im Lokal angebracht, im Biergarten mit Selbstbedienung wurde eine Trennscheibe im Verkaufsbereich installiert. „Wie das Servieren mit Mundschutz auszuhalten ist, müssen wir noch abwarten“, so Schweizer. Um die Erwartungen der Gäste zu erfüllen habe man die Speisekarte nur geringfügig reduziert, die Gerichte zum Abholen kamen gut an und werden weiter angeboten. Im Gasthaus rechne er „eher mit einem kleinen Ansturm, da wir normalerweise viele französische Gäste haben, die uns durch die Reisebeschränkung noch nicht besuchen dürfen.“ Es bliebe abzuwarten, ob der Betrieb rentabel zu führen sei, wenn die Beschränkungen bestehen bleiben.

„Wir beobachten genau, wie jetzt alles anläuft“, sagt Thomas Merkle, Inhaber von „Merkles Restaurant“ und der „Pfarrwirtschaft“ in Endingen. In der „Pfarrwirtschaft“ könne er normalerweise 70 Plätze anbieten, jetzt noch 35. Im Außenbereich jedoch sei genug Platz vorhanden, damit er hier keine Einbußen habe. „Ich rechne schon mit einem kleinen Ansturm. Es sind viele Reservierungen in den letzten Tagen eingegangen“, so Merkle. Viele Stammgäste wollten wieder vor Ort im Restaurant sitzen, sich bedienen lassen und ihr Essen vor Ort genießen können. „Das Gourmet-Restaurant lassen wir aber vorerst noch zu“, so Merkle. Unter den gegenwärtigen Auflagen sei ein genussvoller Abend dort kaum vorstellbar. „Denn dazu gehört viel Kommunikation, wir präsentieren Speisen und Wein normalerweise aufwendig.“ Grundsätzlich versuche er jetzt aber erst einmal das positive nach dem Lockdown zu sehen. Er könne die Vorgaben zu 100 Prozent umsetzen, die Mitarbeiter seien geschult. Die Hygienemaßnahmen seien nichts Neues, „jetzt heißt es eben, noch öfter Hände waschen und desinfizieren.“

Nicole Schmidt vom Kirschenhof in Königschaffhausen freut sich zwar, dass Café wieder aufmachen zu können, glaubt aber, dass „die Gäste verängstigt sind und der Betrieb vorerst verhalten bleibt.“ Statt 50 Plätzen stehen je nach Belegung höchstens 25 Plätze bereit. Ihre Kuchen- und Tortenauswahl bleibe unverändert groß. Ihr To Go-Angebot sei hier in den letzten Wochen sehr gut angenommen worden. Doch das nötige Polster für den kommenden Winter konnte während des Lockdowns nicht gebildet werden, „der Verlust kann wohl auch nicht aufgeholt werden.“ Positiv stimmt Schmidt jedoch, dass auch der Wohnmobilstellplatz wieder aufgemacht werden durfte. „Da sind wir gut ausgelastet.“