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Straffer Fahrplan, bekanntes Problem

Anschlusszüge in Gottenheim sind für Passagiere der Breisgau-S-Bahn oft unerreichbar

Die Corona-Pandemie beeinflusst auch den Fahrplan des ÖPNV. Für den S-Bahn-Verkehr auf den Linien der Breisgau-S-Bahn am Kaiserstuhl gilt derzeit ein erweiterter Corona-Fahrplan. Dabei fahren die Bahnen nur stündlich statt halbstündlich wie zuletzt im März. Doch das bekannte Problem mit verpassten Anschlusszügen in Gottenheim geht vielen Pendlern an die Nerven.

Da die Bahnstrecke zwischen Breisach und Freiburg eingleisig verläuft, kommt dem Bahnhof in Gottenheim eine zentrale Bedeutung zu. Hier können sich die Züge beider Fahrtrichtungen begegnen, zudem sollen Fahrgäste hier die Möglichkeit haben, direkt im Anschluss auf die Linie der Nebenstrecke Gottenheim-Endingen umzusteigen. Soweit so gut. Doch während des halbstündigen Regelbetriebs vor der Corona-bedingten Einschränkung des Fahrplans kam es sehr oft vor, dass Fahrgäste dem abfahrenden Zug in Richtung Endingen nur nachsehen konnten, da sich die aus Freiburg nach Breisach fahrenden Züge verspätet hatten. Die Deutsche Bahn reagierte auf die zahlreich eingegangenen Beschwerden und versprach, die Anschlüsse besser abzustimmen. Jedoch auch im bis zum 13. Juni geltenden erweiterten Corona-Fahrplan mit Stundentakt kam es in der letzten Zeit immer wieder zu Zugausfällen und verpassten Anschlüssen. Zugreisende aus Richtung Freiburg mussten infolge dessen oft eine Stunde auf den nächsten Zug nach Endingen warten.

Wachsender Unmut

Berufspendler Carsten Kunz aus Bötzingen, der in Freiburg arbeitet, schilderte die Situation am 12. Mai für Zugreisende am Gottenheimer Bahnhof eindrücklich. „Bei Ankunft unseres Zuges in Gottenheim auf Gleis 1 stand der Zug in Richtung Endingen auf Gleis 3. Sämtliche Zugwechsler richten sich bereits mit der Sitzplatzwahl im Zug in Freiburg darauf ein, schnell den Bahnsteigwechsel in Gottenheim durchführen zu können.“ Ihm habe es an diesem Tag tatsächlich gereicht, den Anschlusszug zu bekommen. „Aber fast 40 Personen, die noch in den Zug einsteigen wollten, wurden am Bahnsteig 3 in Gottenheim zurückgelassen, da der Triebwagenführer die Türen geschlossen und nicht wieder geöffnet hat.“ Am Bahnhof Bötzingen habe Kunz den Triebwagenführer zur Rede gestellt. Doch dieser habe sich in provokanter Weise auf den Fahrplan berufen, der seiner Meinung nach sowieso nicht umsetzbar sei. „Ich habe in Endingen sechs Minuten Zeit den Zug zu wenden. Ich bin schon eine Minute zu spät los. Fertig!"

Stellungnahmen

Kunz schrieb aufgrund der Zustände unter anderem die Deutsche Bahn und das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg an. Von letzterem hieß es, dass die beschriebene Situation dort „leider bekannt“ sei. Der Fahrplan sei in der Tat sehr straff und die kurze Umsteigezeit von 4 Minuten in Gottenheim führe offensichtlich schon bei kleinsten Verspätungen zu den beschriebenen Problemen. Da das Flügelkonzept in Gottenheim nicht zuverlässig funktioniert habe, sei im Februar der Umstieg in Gottenheim wieder eingeführt worden. „Ebenfalls sind die Wendezeiten mit 6 Minuten sehr kurz, sodass eine Verspätung zumeist in die nächste Fahrt mitgetragen wird und sich so über den Tag aufsummieren könnte“, heißt es weiter. „Wir hoffen, dass sich die Situation zumindest mit dem angepassten Fahrplankonzept ab Dezember 2020 wieder verbessert."

Eine Bahn-Sprecherin erklärte, dass das Angebot in Abstimmung mit den Aufgabenträgern, die den Nahverkehr bestellen, erarbeitet worden sei.  „Zur Anschlusssicherung haben wir im Rahmen des fahrplantechnisch Möglichen bereits in den letzten Wochen Anpassungen vorgenommen. Bei der letzten Verbindung können wir in der Regel darüber hinaus auch länger warten.“

Positive Bilanz vom Verkehrsminister

Verkehrsminister Winfried Hermann zog indes diese Woche in einer Pressemitteilung eine insgesamt positive Bilanz bezüglich der Pünktlichkeitswerte der Regionalzüge in Baden-Württemberg. „Der regionale Schienenpersonennahverkehr im Land läuft in der Krisenzeit zuverlässig.“ Gleich zweimal haben seit März alle regionalen Bahnunternehmen in Baden-Württemberg in enger Zusammenarbeit mit der Nahverkehrsgesellschaft und dem Verkehrsministerium die Fahrpläne angepasst. Von einem anfangs auf rund 50 Prozent reduzierten Grundangebot wurde seit Anfang Mai auf ein erweitertes Grundangebot von 70 bis 80 Prozent der Fahrleistung aufgestockt. Dabei bleibt das Angebot an Wochenenden und in den Randzeiten vorerst noch ausgedünnt, in den Hauptverkehrszeiten wurde der Fahrplan wieder verstärkt. Jetzt müssten die Eisenbahnunternehmen daran arbeiten, die Qualität stabil auch in den nächsten Wochen sicherzustellen, so der Landesverkehrsminister. Mit dem Fahrplanwechsel am 14. Juni soll wieder nahezu das volle Angebot gefahren werden – dann würde sich die Wartezeit für Bahnfahrer wie Carsten Kunz wenigstens im Falle eines verpassten Anschlusszugs auf 30 Minuten reduzieren.