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Abgesagt und trotzdem symbolisch eröffnet

Ein Hauch von Orgelfeststimmung wehte am Wochenende auf dem Waldkircher Marktplatz

Waldkirch (hbl). Anstatt des abgesagten Orgelfestes verschickten die Waldkircher Drehorgelfreunde musikalische Grüße in die ganze Welt. Am Freitag erinnerte Oberbürgermeister Roman Götzmann auf dem Marktplatz an die eigentliche Eröffnung und begrüßte auf diese Weise die nicht angereisten Gäste. Am Sonntag wiederum wurden diese symbolisch verabschiedet, passend mit ein paar wenigen Drehorgeln und einer Jahrmarktorgel.

Eigentlich hätte die Stadt am vergangenen Wochenende vom 19. bis 21. Juni beim 13. Orgelfest nur so gebrummt. Gäste aus aller Welt wären angereist, sei es als Gast oder als Teilnehmer. Doch das Corona-Virus hat einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die frühzeitige Absage sei die richtige Entscheidung gewesen, so Oberbürgermeister Roman Götzmann. Er hätte gerne am Freitagnachmittag das 13. Internationale Klang- und Orgelfest eröffnet. Die Vorbereitungen waren weit fortgeschritten, die Orgelspieler eingeladen. Schade, dass er nun hier ohne diese auf dem Marktplatz stehe, so der Oberbürgermeister. Er hoffe jedoch, diese beim nächsten Orgelfest im Juni 2022 wieder begrüßen zu können. Nichtsdestotrotz gratulierte er der Waldkircher Orgelwelt mit den Drehorgelfreunden zu der Idee, mit einer kleinen Orgelparade an die ausgefallene Orgelfesteröffnung zu erinnern.

Corona-angepasst hatten sich derweil fünf Drehorgelspieler über den Marktplatz verteilt. Den Auftakt überließen sie jedoch der Alfred Bruder-Jahrmarktorgel, angeworfen durch Mitinitiator Bernd Wintermantel. Es tut „in der Seele weh“ und viele Orgelfreunde „leiden mit uns“, so der Vorsitzende der Waldkircher Orgelstiftung, zuhause bleiben zu müssen. Die Stadtverwaltung habe diese angeschrieben, Filmsequenzen zu schicken, um auf dem Youtube-Kanal ein virtuelles Orgelfest starten zu können. Doch hier vor Ort wolle man Flagge zeigen und an diesem Wochenende das Orgelfest nicht sang- und klanglos übergehen. Gleichzeitig richtete er die Grüße an alle nicht angereisten Teilnehmern, sei es aus Chile, Mexiko oder Berlin. Aber auch alle hiesigen Orgelbauwerkstätten waren hier, sei es als Orgelspieler oder auch als Gast. Beim Orgelfest selbst, hätten sie beim Tag der offenen Tür allerdings alle Hände voll zu tun gehabt.

Doch ohne Musik und Orgelklänge ging es nicht. Stefan Fleck, Joachim Quade, Albert Bayer, Karl-Heinz Kury und Wolfgang Brommer kurbelten mächtig, spielten Lieder vom „Lieben Leierkastenmann“, „Chattanoaga Choo Choo“ oder „Tico, tico Samba“, anderes mehr oder das nicht fehlen durftende Badner Lied auf der Jahrmarktorgel der Orgelstiftung. Die dann doch wenigen Zuhörer schunkelten und sangen mit, ein kleiner Hauch von Orgelfeststimmung kam auf, ehe nach einer halben Stunde das kleine Ersatzkonzert beendet wurde. Aus der Ferne freuten sich zudem die Gäste auf den Außenbewirtungsplätzen der Marktplatzgastronomie.

Symbolische Verabschiedung

In einer ähnlichen Aufmachung erinnerten am Sonntag spätnachmittag Achim Schneider, Karl-Heinz Kury, Joachim Quade, Albert Bayer, Wolfgang Brommer und Bernd Wintermantel mit ihren wertvollen mechanischen Musikinstrumenten an die eigentliche Verabschiedung und Ende des 13. Internationalen Orgelfestes. Sie alle dachten an die nicht angereisten Orgelfreunde so wie Wolfgang Brommer. Der Orgelbaumeister überbrachte zudem die Grüße der Chilenen, die jedes Mal das Orgelfest bereicherten. Er spielte sogar auf einer in Chile gebauten Drehorgel und was wohl, das Badner Lied. Jeder der anwesenden Drehorgelspieler einschließlich der Alfred Bruder-Jahrmarktorgel durfte natürlich nochmals alles geben wie beim richtigen Orgelfest. Bernd Wintermantel als Kopf der Drehorgelfreunde und Mitinitiator der zweimaligen Orgelparade, verabschiedete symbolisch die zuhause gebliebenen Orgelspieler aus Deutschland und der ganzen Welt. Die zufällig vorbeikommenden Zuhörer freuten sich genauso wie die Besucher der Außengastronomieplätze über den unverhofften und schönen Auftritt und die Orgelklänge.

Schön war’s - und es habe seinen Zweck erfüllt, bilanzierte Bernd Wintermantel. Man habe an das ausgefallene Orgelfest einfach erinnern und wachhalten wollten. Nach einer halben Stunde waren das Minikonzert und kleine Orgelparade auf dem Marktplatz beendet. Es ging ans Aufräumen, die Notenrollen wurden verstaut, die Jahrmarktorgel fahrsicher verstaut. Und der werbende Orgelfestaufsteller mit dem denkwürdigen Absagevermerk endgültig für 2020 eingerollt.