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Die Kasse ist bald leer 

Schwere Zeiten für kommunale Thermen / Bad Bellingen wirbt bei Politik um Unterstützung 

Bad Bellingen. Von den Folgen der Corona-Krise sind die  Thermen und Kureinrichtungen bundesweit in ganz besonderem Maße betroffen. Dass die kommunalen Thermen vom Rettungsschirm sowohl des Bundes als auch der Länder bisher ausgeschlossen sind, erschwert die wirtschaftliche Situation der Einrichtungen noch mehr. Bad Bellingen macht da keine Ausnahme und wirbt deshalb bei Bundes- und Landespolitik um Unterstützung. 

Der Einladung von Bürgermeister Carsten Vogelpohl und Kurgeschäftsführer Dennis Schneider folgend, besuchten am letzten Donnerstag CDU-Bundestagsabgeordneter Armin Schuster zusammen mit den CDU-Landtagskandidaten Christof Nitz und Anja Herzog Bad Bellingen. Nach einem Rundgang unter Führung von Dennis Schneider durch das unter starken Einschränkungen geöffnete Thermalbad, fand im Außenbereich eine Gesprächsrunde statt.       

Bürgermeister Vogelpohl verwies zunächst auf die beiden Forderungen des baden-württembergischen Heilbäderverbandes. Der wendete sich kürzlich an die Landesregierung und forderte einerseits eine aktuelle Finanzhilfe zur Bewältigung der Corona-Krise sowie andererseits ein langfristig angelegtes   Modernisierungsprogramm zur nachhaltigen Absicherung der Bäderbetriebe. Christof Nitz sagte, er habe den CDU-Fraktionsvorsitzenden Reinhart auf dieses Thema angesprochen. Dieser habe ihm versichert, im Herbst stehe die Entscheidung an. Inwieweit Unterstützung gewährt werden könne, sei allerdings noch völlig offen. Wie Vogelpohl weiter erklärte, habe man in Bad Bellingen in den letzten beiden Jahren alles darangesetzt, die Thermen und Kureinrichtungen zukunftssicher zu machen. Darüber hinaus bewerbe man sich um eine Gartenschau. Mit der Entwicklung eines Masterplanes habe man begonnen.

Das Maßnahmepaket sollte in den kommenden Jahren Schritt für Schritt umgesetzt werden. Da aber der dramatische, coronabedingte Einbruch im Tagesgeschäft die finanziellen Spielräume nun auf das Äußerste eingeschränkt habe und die Existenz des Bade- und Kurbetriebs in Frage stelle, sollte in absehbarer Zeit, wie in anderen Wirtschaftszweigen bereits geschehen, Unterstützung kommen. Kurgeschäftsführer Schneider verwies darauf, dass die Therme der „Motor“ für die ganze örtliche Wirtschaft sei. „Wenn das Thermalbad nicht geöffnet ist, kommen wir nicht“, hätten viele Gäste erklärt. Wenn aber die Gäste nicht kommen, seien  in den Kur- und Rehakliniken, in den Hotels und Gaststätten des Badeorts rund 1.000 Arbeitsplätze gefährdet.

Derzeit können im Zeichen von Corona nur 118 Besucher gleichzeitig ins Thermalbad eingelassen werden. In normalen Zeiten sind dies aber 400. Glücklicherweise sei das Defizit nicht so groß, wie dies bei einer kompletten Schließung des Bades der Fall sei, erklärte Schneider. Allerdings sei das Geld, das die Gemeinde eigentlich für Investitionen zur Verfügung gestellt habe, aufgebraucht. Die Liquidität habe bisher noch gehalten werden können, unter anderem auch weil ein Drittel des Personals abgebaut werden musste. „Wenn nun keine Hilfe kommt, ist die Kasse im Oktober leer“, ist die Einschätzung des Geschäftsführers. Er hoffe aber dennoch, dass ab September wieder mehr Gäste kämen.  

Armin Schuster bedauerte, dass die kommunalen Thermen und Rehakliniken im Corona-Programm bisher nicht berücksichtigt wurden. Er arbeite aber mit Nachdruck daran, dass sich dies ändert. Rolf Rhein