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Gutes Krisenmanagement in Müllheim

Stadt Müllheim und die Betriebe sind sich einig: „Bisher mit blauem Auge davongekommen“

Müllheim. Seit mehr als einem halben Jahr stellt die Corona-Pandemie auch die  Gewerbebetriebe in Müllheim vor große Aufgaben. Eine Umfrage des Gewerbevereins unter seinen Mitgliedern hat nun unter anderem ergeben, dass die örtlichen Betriebe, trotz großer Unsicherheit, finanzieller Schwierigkeiten und damit einher gehender Existenzängste bisher vergleichsweise gut durch die Krise gekommen sind. Gewerbeverein und Stadt zogen gemeinsam  eine  Zwischenbilanz.

Nicht ohne Sorge blicken alle Beteiligten auf die kontinuierlich steigenden Infektionen – „Müllheim liegt dabei stets leicht über dem Landesschnitt“, wie Bürgermeister Martin Löffler erläuterte – und auf die Maßnahmen, die in Herbst und Winter noch zu treffen sind. Löffler würde es begrüßen, wenn die grundsätzlichen Direktiven dabei vom Land Baden-Württemberg  ausgingen und kein lokaler Flickenteppich entstünde. 
Einigkeit herrscht bei den Gewerbetreibenden darüber, dass „ein zweiter Lockdown finanziell nur schwer zu verkraften wäre.“ Mit den Auswirkungen des ersten und hoffentlich einzigen  Lockdowns haben zum Beispiel die Autohäuser noch immer zu kämpfen, wie Michael Berger erklärte: „Der Lockdown fiel genau in unsere umsatzstärkste Jahreszeit.“ Über Kurzarbeit und weil die Werkstätten offen bleiben durften, konnten  sich die Autohäuser über Wasser halten. Das durch den Lockdown entstandene Loch konnte aber kein Autohaus bisher auffüllen. Zudem brach die französische Kundschaft im Service- und Werkstattbereich zunächst komplett weg und der Zustand von vor der Krise sei bei Weitem noch nicht wieder erreicht. 
Mit seiner „KAUF-LOKAL-Initiative“ reagierte der Gewerbeverein Müllheim auf die Krise; während des Lockdowns und auch danach hatten die Mitgliedsbetriebe mit kreativen Ideen und Aktionen auf sich aufmerksam gemacht. Die Botschaft sei bei der Kundschaft angekommen – Zusammenhalt und Verständnis sei sowohl zwischen Händlern und Kundschaft, wie auch unter den Gewerbetreibenden selbst gestiegen, wusste Martin Buck zu berichten. „Während des Lockdowns haben alle feststellen können, wie öde eine Innenstadt ohne Handel sein kann“, bemerkte Vorstandssprecher Peter Kirsch vom Gewerbeverein. Einen neuen Lockdown sieht Bürgermeister Martin Löffler für den Handel nicht am Horizont – skeptischer ist der Rathauschef für die Gastronomie. Der  lange sonnige Sommer hatte die deutlich weniger problematische Bewirtung unter freiem Himmel beflügelt. Das sei in der kühleren Jahreszeit schwieriger. „Die Terrassenwirtschaft tendiert jetzt gegen Null“, weiß die Winzerin Andrea Engler-Waibel. Holger Lauer von der Wirtschaftsförderung versprach den örtlichen Gastronomen, dass die Stadt bei entsprechenden Anfragen großzügig bei der Genehmigung von Heizpilzen für die Außenbewirtschaftung verfahren werde. Ein Fazit der Zwischenbilanz von Stadt und Gewerbeverein könnte lauten: Hurra, wir leben noch – die Corona-Krise ist aber ist noch längst nicht überwunden. 
Frank Rischmüller