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Blaulicht und Martinshorn müssen sein!

Bahlinger Feuerwehrkommandant bittet um mehr Verständnis

Mit verstärktem Beschwerdeaufkommen muss sich in letzter Zeit der Bahlinger Feuerwehrkommandant Gabriel Boos herumschlagen.

„Musstet ihr beim letzten Einsatz mit Martinshorn durchs Dorf fahren?“, diese meist empört gestellte Frage hören Boos, seine Feuerwehrkameraden und die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung auf den verschiedensten Kanälen immer häufiger. „Natürlich gab es das früher auch schon, aber nur ab und zu. Seit diesem Jahr nimmt die Kritik aber überhand“, ärgert sich der Kommandant. „Wir werden auf der Straße angesprochen oder angerufen. Auch bei der Verwaltung klingelt deswegen öfter das Telefon. Auch auf Facebook, wo wir unsere Einsatzberichte veröffentlichen, wird in dieser Art kommentiert“, berichtet er.

Die Antwort ist in allen Fällen ganz klar die gleiche: „Ja das muss sein!“ Das steht so sogar in der Straßenverkehrsordnung: Wenn die Feuerwehrkameraden zu einem Einsatz alarmiert werden, bei dem es darum geht, Menschen und Tiere zu retten, Sachwerte zu erhalten und Gefahren abzuwehren ist höchste Eile geboten. Um schnellstmöglich zu Einsatzstelle zu kommen, muss der Fahrer entsprechend zügig unterwegs sein. Dafür werden den Einsatzkräften in solchen Fällen Sonderrechte eingeräumt. Woher sollen die übrigen Verkehrsteilnehmer in diesem Fall wissen, dass sie jetzt gerade Platz machen müssen? Schließlich kann man ohne Signal nicht erkennen, ob das Feuerwehrfahrzeug gerade zum Einsatz fährt, oder bloß tanken war. Deshalb schreibt das gesetzt zwingend vor, dass im Einsatzfall der Fahrer beides - Blaulicht und Martinshorn ! - zu jeder Tages- und Nachtzeit einschalten hat.

„Sollten wir Sie einmal in der Nacht geweckt haben, bitte ich um Verständnis“, erklärt der Kommandant. „Sie können sich in einem solchen Fall umdrehen und weiterschlafen. Unsere Einsatzkräfte arbeiten aber Einsätze ab, deren Dauer und Belastung des Körpers und Psyche vorher nicht absehbar ist.“ Manchmal könne der Grund natürlich auch ein Fehlalarm sein, aber das wüssten die Einsatzkräfte vorher nicht. „Aber auch wenn der Einsatz nicht lange dauert kann ich Ihnen versichern, dass jeder von uns, der für einen Einsatz nachts aus dem Schlaf gerissen wurde, zuhause nicht sofort wieder einschlafen kann. Nochmal: Vielen Dank Ihr Verständnis!“, appelliert Gabriel Boos an die Bahlinger Bürger.

 

Ein Kommentar von Redaktionsleiterin Ines Heiny: 

Dass man bei uns im Notfall nur einen kurzen Anruf von schneller Hilfe entfernt ist, das ist für die Menschen in Deutschland selbstverständlich. Dass das im Landkreis Emmendingen zumindest was die Aufgaben der Feuerwehr angeht, gar nicht so selbstverständlich ist, das vergessen die Meisten. Denn im Landkreis Emmendingen gibt es keine Berufsfeuerwehr, sondern nur Freiwillige Feuerwehren. Die Betonung liegt auf FREIWILLIG. Alle Mitglieder, vom Atemschutzträger über den Gerätewart bis hin zum Kommandanten leisten diese wichtige Arbeit ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Sie werden nicht gesondert dafür bezahlt, dass sie zu jeder Tages- und Nachtzeit für ihre Mitmenschen da sind – und dabei im Notfall ihr Leben riskieren. Ich wohne selbst an einer Straße, an der oft das Martinshorn erklingt, weil Krankenwagen, Notarzt, Polizei oder eben auch Feuerwehr schnell durch müssen. Natürlich nervt das manchmal. Aber wenn es irgendwann bei mir mal nicht nur sprichwörtlich brennt, dann kann ich mich darauf verlassen, dass die Einsatzkräfte auch für mich da sind. Vielleicht sollte der eine oder andere kurz darüber nachdenken, bevor er sich das nächste Mal beschwert. Ich möchte jedenfalls einfach mal DANKE sagen!