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Inklusive und innovative Werkstätte

Caritas-Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Denzlingen vorgestellt

Denzlingen (hg). Zur Vorstellung der neu geschaffenen Werkstätte für Menschen mit Behinderung lud der Caritasverband Freiburg-Stadt vergangene Woche den Denzlinger Bürgermeister und Pressevertreter ein.

Eine geplante größere Eröffnungsfeier musste aus den bekannten Corona-Gründen ausfallen oder zumindest auf nächstes Jahr verlegt werden. Caritas-Vorstand Rainer Gantert stellte die sechs Millionen Euro teure inklusive Einrichtung zusammen mit Interimsleiter, Oliver Nägele, und der Leiterin des Förder- und Betreuungsbereiches, Melanie Müller-Reichert, vor.

Im März vergangenen Jahres fand an dieser Stelle der traditionelle Spatenstich statt. Und nun habe man die Einrichtung sowohl gemäß dem gesteckten Zeit- wie Kostenplan vollenden können. An den Kosten für die neue Werkstätte für Menschen mit Behinderung in Höhe von sechs Millionen Euro beteiligen sich mit 1,5 Millionen Euro der Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg, das Land Baden-Württemberg, die Bundesagentur für Arbeit und die Aktion Mensch.

Rainer Gantert zeigte sich über die erfolgreiche Realisierung und besonders auch über das Entgegenkommen der Gemeinde Denzlingen und nicht zuletzt der Anwohner und mehrerer Denzlinger Firmen sehr angetan. In der Einrichtung an der Vörstetter Straße – ein Gebäude mit einem L-förmigen Grundriss - wird es unter anderem auch eine Kaffeerösterei als Spezialität des Hauses mit einem inklusiven Café für jedermann geben. Im inklusiven Produktionsbereich der Werkstätte werden 50 Menschen mit Behinderung vielfältige Arbeiten für Kunden aus dem gewerblichen Bereich erledigen. Ergänzend dazu wird ein Förder- und Betreuungsbereich für 30 Personen mit Mehrfachbehinderung eingerichtet. Für junge Erwachsene, die ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Caritasverband absolvieren, wurden über der Werkstätte 32 Wohnplätze geschaffen, die großteils bereits belegt sind. Dieser Wohnbereich ist selbstverständlich auch durch separate Eingänge begehbar.

Optimale Verkehrsanbindung

Da die meisten Personen, die täglich in der Werkstätte bereits tätig sind und sein werden, täglich entweder mit privaten oder öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, nicht zuletzt auch mit der Bahn, ist man insbesondere über die Nähe des Denzlinger Bahnhofes und die sonstige verkehrstechnische Anbindung des Hauses sehr glücklich. Die Denzlinger Werkstätte für Menschen mit Behinderung liege „insofern geradezu ideal“, betonter Gantert. Die Leiterin des Förder- und Betreuungsbereichs, Melanie Müller-Reichert, die zuletzt in der Werkstätte in Riege! tätig war, ergänzte die Ausführungen von Rainer Gantert, wonach derzeit nicht alle Arbeitsplätze und ebenfalls nicht alle Plätze im Förder- und Betreuungsbereich belegt werden könnten, weil man aufgrund der corona-bedingten Vorschriften Einschränkungen vornehmen müsse.

Der Interimsleiter der Werkstätte, Oliver Nägele, ist nach wie vor auch Einrichtungsleiter der Werkstätte in March-Neuershausen und habe bei der Planung und Realisierung des Denzlinger Hauses wichtige Erfahrungswerte einbringen können, wie der Caritasvorstand lobend betonte. Leider müsse man aufgrund der corona-bedingten Einschränkungen sowohl den offenen Café-Betrieb wie auch andere Angebote des Hauses „mit angezogener Handbremse“ tätigen. Dies vor allem auch mit Blick auf die hier tätigen Menschen, die zu einer besonders „vulnerablen Gruppe“ zu zählen seien. Mit der künftigen Öffnung des Cafés, das auch im Außenbereich Plätze bieten wird, will man auch die bereits installierte E-Tankstelle eröffnen, die sogar bereits jetzt Strom liefert, wie Bürgermeister Markus Hollemann als erster Nutzer mit seinem E-Dienstfahrzeug erfreut feststellte.

„Inklusiv und innovativ“

Der Bürgermeister lobte aus seiner Sicht die reibungslose Zusammenarbeit bei der Realisierung der Werkstätte für Menschen mit Behinderung, wenngleich es besonders im Genehmigungsverfahren aus seiner Sicht einige vermeidbare Stockungen gegeben habe. Er zeigte sich sehr angetan vom Konzept des Caritasverbandes, wonach man hier keine „beschützte Werkstätte“ früherer Prägung betreibe, sondern bewusst und betont „inklusiv“ und auch „innovativ“, wie auch Rainer Gantert ergänzte. Hier arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung Seite an Seite und könnten Wirtschaftsleistungen erbringen, die besonders im Zulieferbereich gebraucht würden, zum Beispiel überall da, wo kleine Stückzahlen benötigt würden, so dass sich ein automatisierter Prozess meist nicht rentiere.

Mit einem kleinen geführten Rundgang um das Haus – die Innenräume wollte man aus Corona-Gründen bewusst nicht betreten – und zwei kurzen Abstechern ins künftige Café und einen speziellen (noch nicht belegten) Betreuungsraum mit behindertengerechten Einrichtungen endete die kleine „Eröffnungsfeier“, zu der man an kleinen Stehtischen im Außenbereich des Cafés zu einer Tasse Kaffee mit Imbiss einlud. Für die Denzlinger Öffentlichkeit wird es, so hofft man wenigstes, nächstes Jahr Gelegenheit geben, die Einrichtung näher kennenzulernen.