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SMS-Info bei der Einreise

Was die Griechen den Deutschen voraus haben und worauf das Sozialministerium hofft

Regio. Wer mit einem Smartphone aus dem Ausland kommend die Grenze überschreitet, wird automatisch beim entsprechenden deutschen Netzbetreiber eingeloggt. In vielen Fällen erhält der Reisende dann eine Nachricht vom deutschen Netzbetreiber, in welcher beispielsweise aktuelle Tarifinformationen mitgeteilt werden. Die dafür benutzte Technik ist etabliert. Im Rahmen der Bekämpfung der Corona-Pandemie spielt diese Kommunikationsmöglichkeit in Deutschland bislang keine Rolle; in anderen Ländern schon.

   Bei Einreisen zum Beispiel in ein griechisches Mobilfunknetz wird der Reisende heute jeweils aktuell über seine Verpflichtungen im Zusammenhang mit den griechischen Corona-Maßnahmen informiert. Da die SMS jeweils zeitnah bei der Einreise verschickt wird, können die unmittelbar zu befolgenden Vorschriften mitgeteilt werden. Da mit diesen Nachrichten nur die Einreisenden angesprochen werden, sind die Streuverluste bei der Verteilung dieser Informationen äußerst gering und sie erreicht mit hoher Treffergenauigkeit auch solche Reisenden, die nicht regelmäßig die einschlägigen Amtsblätter durchforsten. 
Leider ist eine solche Informationsvermittlung in Deutschland noch immer nicht gebräuchlich. Auf Nachfrage unserer Zeitung beim RKI in Berlin hat man sich für den Vorschlag bedankt und gedenkt ihn im Rahmen kommender Beratungen zu prüfen. Das im Dreiländereck für die Verfolgung der Einreisen aus den Corona-Risikogebieten Frankreich und der Schweiz zuständige Sozialministerium in Stuttgart appelliert nur an das Verantwortungsbewusstsein der Menschen und geht davon aus, dass sich jeder aktuell über die jeweils gültigen Vorschriften informiert. Vorschläge hinsichtlich technisch einfach zu handhabender Hilfestellungen wie der SMS-Information gehen dort offensichtlich im aktuellen Tagesgeschäft unter.
Wenn man bedenkt, wie gering der technische Aufwand für einen SMS-Versand nach griechischem Muster ist, kann man über das aktuelle Verhalten deutscher Behörden nur den Kopf schütteln. Es nützt nur wenig, laufend Maßnahmen zu verschärfen und mit hohen Strafen zu drohen, wenn es nicht gelingt, die betroffene Personengruppe zeitnah über neue Maßnahmen oder die Verschärfung bestehender Maßnahmen zu informieren. Den privaten Netzbetreibern fehlt bislang eine staatliche Aufforderung für einen automatisierten Versand Corona-bezogener SMS-Nachrichten.
Kurz vor Redaktionsschluss  kam Bewegung in die Angelegenheit: Deutschland will nach dem RK vorliegenden Informationen ebenfalls ein Einreise-SMS realisieren.
Dr. Christoph Jehle