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„Das Konzept hat Schwächen“

Gewerbeverband Bad Krozingen zum aktualisierten Einzelhandelskonzept der Stadt

Bad Krozingen. Das jüngst im Gemeinderat und in der Ausgabe vom 21. April in Auszügen im ReblandKurier vorgestellte aktualisierte Einzelhandelskonzept der Stadt Bad Krozingen ruft selbstredend auch den örtlichen Gewerbeverband auf den Plan. Die im Verband organisierten Gewerbetreibenden der Stadt, um die es bei einem Einzelhandelskonzept im Wesentlichen geht, finden viele Punkte in dem Papier, das der Diplom-Geograph Markus Wagner im Auftrag der Stadt erstellt hat, gut getroffen und positiv – sie haben aber auch Schwächen erkannt.  

So bedauert es der Vorsitzende des Gewerbeverbandes, der zu den größten, mächtigsten und aktivsten Gewerbevereinen Südbadens gehört, unter anderem, vom Autor des Konzeptes nicht gehört worden zu sein. Peter Lob: „Es wäre dem Gutachten sicher nicht abträglich gewesen, wenn sich der Verfasser auch mit uns unterhalten hätte. Die beiden größten Schwächen  des Konzeptes sind aber andere:  Das erste Einzelhandelskonzept ist schon zehn Jahre alt und  die  jetzt vorliegende Aktualisierung des Konzeptes entstand  vor Beginn der Pandemie. Der  Status Quo des Einzelhandels in Bad Krozingen wird nicht mehr korrekt beschrieben.“ Andere Schwächen entdecken Peter Lob und seine Mitstreiter eher im Detail. So seien die 2019 auf 102 Millionen Euro gestiegenen Umsätze des Bad Krozinger Einzelhandels  zwar Fakt – die Steigerungen seien aber primär dem Lebensmitteleinzelhandel, konkret der Firma Hieber zuzuordnen. Der Umsatz anderer Branchen in der Stadt habe bis zur Pandemie stagniert – jetzt sei er gar „eine Katastrophe“. 
Der Gewerbeverband Bad Krozingen hat sämtliche Träume von einer Einkaufs- und Flaniermeile entlang der Freiburger Straße längst von der Agenda genommen. Es gehe um den Bestand des bestehenden Einzelhandels  und das Angebot in der ohnehin schon großflächigen Innenstadt. Die Zeit und die Kosten, die in die Prüfung und Expertise zur Freiburger Straße geflossen sein, hätte man sich beim Einzelhandelskonzept sparen können und stattdessen das längst überfällige Fußgängerleitsystem und ein für alle Beteiligten attraktives Parkleitsystem auf den Weg bringen können. Die Veränderungen, die die Pandemie mit sich bringt sollten Anlass dazu sein, ein gescheites Einzelhandelskonzept in zwei Jahren neu aufzulegen und dabei den Zusammenschluss der örtlichen Einzelhändler mit ins Boot zu nehmen oder ihn zumindest zu hören. 
Die Kritik am vorliegenden aktualisierten Einzelhandelskonzeptes  der Stadt sei freilich Klagen auf hohem Niveau, gibt Peter Lob zu. Die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Volker Kieber oder auch mit Rolf Rubsamen, Chef der Kur- und Bäder Gesellschaft, sei hervorragend. Auch bei der Besetzung der Ladenflächen  in den in Bau befindlichen  Gebäuden der „Neuen Mitte“  werde der Gewerbeverband mit ins Boot genommen. „Ich bin sicher, die Innenstadt von Bad Krozingen wird top!“ ist Lob überzeugt. Dies könnte dann in der Nach-Coronazeit und nach Eröffnung der „Neuen Mitte“ in der vom Gewerbeverband angeregten erneuten Aktualisierung des Einzelhandelskonzeptes zum Ausdruck kommen. Frank Rischmüller