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Demonstration grenzüberschreitender Freundschaft

Vörstetten feierte Europafest und 22-jähriges Jubiläum der deutsch-französischen Partnerschaft

Vörstetten (mbo). Am Samstag feierte das Fachwerkdorf gemeinsam mit den französischen Freunden und den in Vörstetten lebenden Ukrainern das Europafest und das 22-jährige Jubiläum der deutsch-französischen Partnerschaft.

Leider konnte das Fest nicht, wie ursprünglich geplant, auf dem neuen Dorfplatz stattfinden. Aber die Verantwortlichen hatten es geschafft, mit Unterstützung der Vereine und Institutionen ein hervorragendes Programm mit musikalischer Umrahmung und bester Bewirtung in der herrlich geschmückten Heinz-Ritter Halle anzubieten. Alle Reden wurden auf einer Leinwand in verschiedene Sprachen übersetzt. 
Mit „Je ne regrette rien“ und anderen französischen Evergreens begrüßte der Musikverein mit Annika Marschall die Gäste. Und keiner brauchte es zu bereuen, hierher gekommen zu sein. In den Reden und Regularien zum 22-jährigen Jubiläum der Partnerschaft leuchtete der Glanz einer echten, glaubwürdigen Freundschaft, die nach langer (pandemiebedingter) Abstinenz umso fröhlicher und ehrlicher zutage kam.

Vor 22 Jahren entstanden die ersten Kontakte
Wilma Skibitzki, die Vorsitzende des deutschen Partnerschaftskomitees begrüßte die zahlreichen Gäste. Vor 22 Jahren entstanden die ersten Beziehungen und damit auch die ersten Begegnungen: Kastanienfest, Feuerwerk, Vörstetter Siebenkampf, Gumbiswinkelfest, Fastnacht, Weihnachtsmärkte und das Oktoberfest. Dazu kamen einige Schüleraustausche, Vereine haben sich gegenseitig besucht und damit die begonnene Freundschaft zwischen den Menschen gepflegt und vertieft. Ihr Pendant auf französischer Seite, Erick Meyer, sprach von „großer Rührung“ und menschlicher Wärme, die den Menschen gegenseitig zu Teil wurde in all den Jahren. „Es lebe die Partnerschaft, es lebe die Ukraine“. Ein großes Dankeschön ging nicht nur an die Initiatoren der Partnerschaft, sondern auch an die Gastfamilien, die solche Begegnungen und die Völkerverständigung erst möglich machen.

„Wollten nicht mehr in die Schule“
Erfrischend erzählten dann drei junge Franzosen, wie sie vor einigen Jahren den Schulaustausch in Deutschland erlebten. In der deutschen Schule sei ihnen das großzügige, nicht so strenge Miteinander zwischen Schüler und Lehrern mit viel Freiheiten für Schüler aufgefallen. „Wir wollten zuhause in Frankreich nicht mehr in die Schule!“
Auch Chorios unter der Leitung von Hanna Roos trug zum Programm bei. Vor allem das französische Trinklied „Tourdion“ kam bei den Gästen gut an.

„Menschen, nicht Staaten 
begegnen sich“

Landrat Hanno Hurth blickte zurück auf die Entstehung der Europäischen Union und spannte den Bogen zur Jumelage-Feier. „Solche Partnerschaften beinhalten die kommunale Außenpolitik, die wichtiger als alles ist. Es sind Menschen, nicht Staaten, die sich begegnen!“ Auch Bürgermeister Brügner ging auf den europäischen Gedanken und die Partnerschaft ein. „Über Jahrzehnte waren Deutsche und Franzosen sogenannte Erzfeinde und standen sich in verschiedenen Kriegen gegenüber. Mittlerweile haben wir gelernt, dass wir nicht im Gegeneinander, sondern nur Miteinander eine friedliche und gut entwickelte Zukunft schaffen!“ Und weiter: „Diese Europa des 21. Jahrhunderts ist nicht nur das Ergebnis der Politik, sondern vor allem aber das Ergebnis der Begegnungen von Menschen!“
Bürgermeister Lars Brügner dankte den Motoren und Initiatoren der langjährigen Partnerschaft auf beiden Seiten, vor allem Jacques und Reinemarie Leduc, Wilma Skibitzki, Jean Luc und Francoise Basson, Yves und Paulette Morand sowie Erick und Cathrine Meyer und überreichte ihnen die Gemeindemedaille in Bronze für ihre Ver-dienste.
Auch die Gäste hatten für die Vörstetter etwas mitgebracht. Die beiden französischen Bürgermeister überreichten zusammen mit Bertille, einer 12-jährigen Jugendgemeinderätin, eine Skulptur mit zwei Händen, die ein Herz umschließen.

Emotionale Worte von Diana Popova
Zur Europafeier waren auch die derzeit in Vörstetten lebenden Geflüchteten aus der Ukraine eingeladen. Eine von ihnen, Diana Popova, sprach zu den Gästen: „Ich musste mein Land verlassen, wie alle anderen Flüchtlinge, die sich mit ihren Kindern in Sicherheit bringen wollen.“
Die Menschen in der Ukraine seien stark und führten den Kampf um Freiheit, Demokratie gegen die Diktatur mutig fort. „Was momentan in meiner Heimat passiert, ist nicht nur ein Krieg, es handelt sich um verbrecherischen Völkermord!“ Nach ihrer sehr emotionalen Rede erhielt Diana Popova stehenden Applaus. Auch die beiden Bürgermeister aus La Tour und L`Étrat erinnerten in ihren Worten an die wertvollen Begegnungen und entstandenen Freundschaftsbande. Yves Morand (L`Étrat) sprach sogar von „freundschaftlicher Liebe auf den ersten Blick“. „Unvergesslich die vielen Begegnungen und die Begrüßungen und Abschiede mit Günther Schmalen auf seiner Trompete!“ und weiter „Möge diese europäische Idee weiter wachsen und der neue Schwung unserer Freundschaft erhalten bleiben!“
Im Anschluss an die würdevolle Feier verteilte Wilma Skibitzki die Preise an jene Grundschüler, die im Malwettbewerb ihre Gedanken zu Europa und Frankreich ausdrücken durften.
Mit der Musik der Live Band „Unit 5“ ging die Feier weiter, und es wurde bis in die Mainacht hinein getanzt. Pünktlich zum Jubiläum hatte die Gemeinde auch das passende Getränke „Thiermondinger Blaugelb“ in Auftrag gegeben. Das Bier und die weiteren von den Vereinen präsentierten Getränke und Speisen kamen - wie der ganze gelungene Abend - durchweg gut an.