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Einkaufen im „Löwentor“

Über 250 Besucher kamen zur Veranstaltung – Wehrle-Werk, Stadt und Unmüßig informierten

Nach einem halben Jahr Pause nimmt das Projekt im ehemaligen „Kaufhaus Krauss“ in Emmendingen den zweiten Anlauf. Mitte März des Jahres hatte der Freiburger Investor Hans-Peter Unmüßig bekanntgegeben, dass er die große Lösung („Neuer Markt“) nicht weiter-verfolgen werde. Das rief andere Akteure auf den Plan, so auch das Wehrle-Werk, das als Haupteigentümer der überplanten Fläche daraufhin einen eigenen Ansatz in die Diskussion einbrachte. Über die Sommermonate wurde die Konzeptstudie mit dem Arbeitstitel „Emmendinger Plan“ vom Büro „fsp.stadtplanung“ in Freiburg und der Carré Planungsgesellschaft in Bleibach ausgearbeitet und Ende Juli dem neuen Stadtrat vorgestellt. Bei der öffentlichen Vorstellung gestern Abend platzte die ehemalige Kantine des Wehrle-Werks aus allen Nähten.  

Wer nicht frühzeitig kam, der musste mit einem Stehplatz Vorlieb nehmen. Bereits eine Viertelstunde vor Beginn war der Raum proppenvoll. Die letzten Besucher der mehr als 250 Besucher wohnten der Veranstal-tung im Eingangsbereich der Kantine bei. „Mit unserer Idee eines Emmendinger Plans sind wir angetreten, im engen Dialog mit Ihnen eine Bebauung unserer Fläche zu finden, die die legitimen Interessen aller Beteiligten miteinschließt“, war Heiner Steinberg, Vorstand der Wehrle-Werk AG, vom Ansturm überwältigt. Seit Beginn der Arbeit stehe man im engen Kontakt mit OB, Stadtverwaltung, Stadtrat und Angrenzern und seit einigen Wochen auch mit der Firma Unmüßig, die frühzeitig signalisiert habe, dass sie nach dem Ende des „Neuen Marktes“ nun die ursprünglich geplante Neubebauung des eigentlichen Kaufhaus Krauss-Areals weiter verfol-gen werde. „Hier geht’s nicht um einen Wettbewerb unterschiedlicher Konzepte, sondern es gibt unterschied-liche Sichtweisen und Anforderungen an die Funktion und die Gestaltung unserer Fläche, die es gilt zu einem schlüssigen Lösungsvorschlag zu verbinden“, stellte Steinberg klar. 
„Wir machen mit bei dieser Entwicklung“, lobte OB Schlatterer die Eigeninitiative des Wehrle-Werks. Die nicht einfache Aufgabe der Stadt sei es Vorgaben zu machen, denn sie vertrete das öffentliche Interesse. „Auch hier wird es, wie anderswo, Nutzungskonflikte geben, doch die Beteiligten haben auch unglaublich viele Schnitt-mengen“, so der OB. Projektentwickler Unmüßig betonte, dass er eine gemeinsame Lösung im Kontext mit der städtebaulichen Entwicklung und dem Wehrle-Werk anstrebe. 

Der Emmendinger Plan 
Stefanie Burg (fsp.stadtplanung) und Klaus Wehrle, Chef der Carré Planungsgesellschaft, stellten den „Em-mendinger Plan“ vor.  Ziel der Entwicklung und Aufwertung des Firmengeländes vom ehemaligen Kaufhaus bis hin zur Moltkestraße sei es, das Areal städtebaulich zu öffnen und so unter anderem neue Begegnungsmög-lichkeiten für Menschen zu schaffen. Man wolle eine bessere Vernetzung, beziehungsweise Durchwegung mit der Innenstadt erreichen. In diesem Zuge seien Fußwegebeziehungen zur Theodor-Ludwig-Straße, zum Marktplatz sowie zur Markgrafenstraße geplant. Die Erlebbarkeit der miteinander verbundenen Firmen- und Stadtgeschichte solle insbesondere durch die Integrierung der ehemaligen Werkskantine in eine neue, funktio-nale Bebauung sowie durch die gestalterische Aufwertung der Fläche und eine angemessene Durchlässigkeit der Bebauung zum Ausdruck kommen. Durch die Öffnung des Mühlbachs im Bereich Parkplatz Markgrafen-straße sowie im nördlichen Eingangsbereich und die Reduzierung des hohen Versiegelungsgrades soll das Areal ökologisch aufgewertet werden. Im Zuge der Planungen werde ein Miteinander von Industrie, Handel, sozialen Einrichtungen, Gastronomie und Wohnen angestrebt. Die große Logistikfläche im Osten des Werks soll neu geordnet werden. Die kleinen Hallen werden abgerissen, dafür soll ein großer Neubau ans bestehende Firmengebäude errichtet werden. Geplant ist unter anderem auch die Neuordnung im südlichen Werksgelän-de. Dort soll ein neuer attraktiver Eingang- und Empfangsbereich entstehen, der sich zur Stadt hin öffnet. Das Bestandsgebäude wird abgerissen. Auch die Parkplätze und Freiflächen auf dem Areal sollen neu strukturiert werden.  
Bislang ausgespart von konkreten Planungen bleibt der rückwärtige Bereich hinter der Blockrandbebauung der Theodor-Ludwig-Straße. „Was hier passieren soll, ist bis dato noch nicht endgültig geklärt“, betonte Stefa-nie Burg. Für den besagten Bereich zwischen dem alten Kaufhaus, der Kantine und dem Parkhaus haben Wehr-le-Werk, Stadt und die Firma Umüßig jeweils ihre Anforderungen formuliert, die sich in mehreren Punkten decken. So ist man sich darüber einig, dass der verdolte Mühlbach geöffnet werden und dass die Wegebezie-hung zur Theodor-Ludwig-Straße, zum Marktplatz und zur Markgrafenstraße sichergestellt werden soll. 

Einkaufen im neuen „Löwentor“ 
Zum Schluss noch zum spannendsten Thema. Hans-Peter Unmüßig stellte sein Konzept für die Entwicklung des ehemaligen Kaufhaus-Areals vor. „Wir konzentrieren uns jetzt voll und ganz auf die ursprüngliche Aufga-benstellung“, betonte der Projektentwickler. Das Bestandsgebäude soll umgebaut und neu strukturiert wer-den, Beziehungen zu anderen Grundstücken gebe es keine. Die künftigen Nutzer, sprich REWE-Markt, Apothe-ke, Brillen-Filialist Fielmann, Café mit Bäckerei und Außenbewirtung, seien die gleichen wie bei der „großen Lösung“, führte der Unternehmer die Besucher durch die einzelnen Stockwerke und gewährte ihnen einen interessanten Blick hinter die Kulissen des neuen „Löwentors“, so der Arbeitstitel für das Projekt. Im Erdge-schoss sind große Einzelhandelsflächen angedacht, unter anderem für ein Textilunternehmen. Das Gebäude ist mit einem Aufzug und Rolltreppen erschlossen. Weiter oben soll ein Fitnesscenter einziehen. Im Dachbereich sind Penthouse-Wohnungen geplant. Das alte Parkhaus werde entweder revitalisiert oder es entstehe eine „schöne städtebauliche Lösung“, so Unmüßig, der zudem die „Herstellung eines nutzerfreundlichen, modernen sowie nachbar- und grundwasserschonenden Garagenneubaus für die Kunden“ ankündigte. 

Diskussion mit viel Zustimmung  
Diese Ankündigung rief die stärksten Kritiker in der anschließenden Diskussionsrunde natürlich sofort auf den Plan. Lungenfacharzt Andreas Hupert, der sich grundsätzlich positiv zu den Planungen äußerte („Wenn das nun so, wie vorgestellt, realisiert würde, dann wäre der Kampf in den letzten drei Jahren nicht sinnlos gewe-sen!“) verhehlte aber nicht, dass ihn der Gedanke an das neue Parkhaus beunruhige. „Ich bin verblüfft über das, was ich heute hier gehört habe. Viele Forderungen von uns wurden erfüllt, auch die Sanierung des alten Park-hauses. Für uns ist das ein guter Tag“, freute sich Peter Epp, Sprecher des Bürgerforums „Bebauungsplan The-odor-Ludwig-Straße“. Erhard Schulz begrüßte, dass beim Bauen nicht mehr ins Grundwasser eingegriffen, der verdolte Mühlbach geöffnet werde und neue Wohnungen geschaffen werden. Peter Thomann störte sich an der „Löwentor“-Fassade: „Das ist ein absoluter Fremdkörper, der nicht zur benachbarten Bestandsbebauung passt“, so der ehemalige Stern-Fotograf.